Was lauteten die Prognosen nochmal?

Landtagswahlen_ Nach der Wahl ist vor der Wahl

Mit Wahlprognosen wird heutzutage wirkungsvoll die Meinungsbildung manipuliert. So auch in Sachsen und Brandenburg. Ein Vergleich lässt aufhorchen.

Nach der Wahl schaut keiner mehr auf die Prognosen vor der Wahl. Sie sind Schnee von gestern. Dabei lohnt der Blick auf die letzten Prognosen auch und gerade im Falle der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg.

Am 27.08. hatte INSA für Sachsen seine letzte Prognose geliefert: Sie sah die CDU bei 29 Prozent. Dafür schien für die Grünen die Sonne zu scheinen: 11 Prozent sagte man ihnen voraus. Die FDP musste zittern, aber 5 Prozent waren wohl drin. Bei den Sozialdemokraten konnte es wohl nur besser werden: 8 Prozent sagte man ihnen voraus. Die Forschungsgruppe Wahlen prognostizierte zwei Tage später ganz ähnlich. Allerdings sah das Institut die Christdemokraten bei 32 Prozent.

In der Tendenz wurde die CDU also schwächer eingeschätzte als sie letztendlich war; dafür lagen Grüne und SPD in den Umfragen über dem tatsächlichen Wert. Wer das für Zufall hält, sollte die Zahlen von Kommunisten und Alternative für Deutschland vergleichen. Die Linke wurde auf 15 bzw. 14 Prozentpunkten taxiert, also trotz Verlusten noch deutlich über dem, das die Partei dann wirklich erreichte: 10,4 Prozent. Umgekehrt wurde die AfD um 2,5 bzw. 3,0 Prozentpunkte unterschätzt.

Brandenburg zeigt hinsichtlich Grünen und Kommunisten ein ähnliches Bild: Beide Parteien werden deutlich überschätzt. Bei Christ- und Sozialdemokraten ist es jedoch umgekehrt. Zwar hat die SPD noch einmal deutlich gegenüber den letzten Wahlen verloren - aber doch nicht so dramatisch wie prognostiziert. Hinsichtlich der AfD ergibt der Vergleich der Vorhersagen mit der Wahl wiederum ein ähnliches Bild wie in Sachsen: Die Partei wird weiterhin unterschätzt.

Hinter den Abweichungen müssen keine Absichten stecken. Sie zeigen viel eher den Einfluss der medial verbreiteten Meinung und eine starke Zäsur beim Verhalten der Wähler - Änderungen, die von den Instituten noch nicht registriert worden sind. Die hohe Wahlbeteiligung deutet das an.

Auf Thüringen übertragen kann man also in etwa folgende Prognose versuchen: CDU 24 %, SPD 8 %, Linke 21 %, AfD 24 % und Grüne 9 %. Eventuell schafft die AfD in Thüringen, was ihr in Brandenburg und Sachsen verwehrt blieb: Stärkste Partei zu werden.

Sven von Storch

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