Ein kleiner Schritt für ein Land, ein großer Schritt für die Weltgemeinschaft

Kommentar_ Litauens mutige Anerkennung der Republik China (Taiwan)

Die Republik China eröffnet demnächst eine Vertretung in Vilnius, Litauen. Es sollte nur der Anfang sein. – Ein Kommentar

Eigentlich ist es nur eine kleine Geste: Die Republik Taiwan eröffnet in Litauen eine diplomatische Vertretung: Die ›Taiwanische Vertretung‹. Korrekt müsste es heißen: Die Vertretung der Republik China in Litauen. Denn was Taiwan genannt wird, ist in Wirklichkeit China. Nur eben kein kommunistisches China, sondern eine republikanisches China. Ein China, das dem Westen verbunden ist und verbunden sein sollte.

Der Protest der Roten Machthaber in Peking kam prompt. Sie betrachten den Inselstaat als abtrünnige Provinz, den es zu erobern und zu unterjochen gilt. Sollte der Inselstaat seine Unabhängigkeit erklären, droht Peking neuerdings sogar offen mit Atomkrieg.

Es ist daher an der Zeit, dass die vielbeschworene internationale Gemeinschaft Klartext redet mit den selbstherrlichen Erben des kommunistischen Großterroristen Mao: Taiwan ist ebenso China wie jeder andere Teil Chinas. Es ist der Teil eines wie Korea geteilten Landes. Nur ist es eben der demokratische Teil.

Die Regierung in Litauen hat also das gemacht, was sämtliche demokratische Staaten längst hätten machen sollen: Taiwan als Republik China anerkennen. Die Reaktionen der rot-chinesischen Despoten folgte prompt. »China lehnt jede Form formeller Beziehungen zwischen anderen Ländern und Taiwan ab«, erklärte ihr Außenamtssprecher, »und fordert die baltische Nation auf, dem Ein-China-Grundsatz zu folgen.« Eine schärfere Reaktion dürfte bald folgen; Rot-China wird seine diplomatischen Verbindungen zu Litauen kappen. Vilnius weiß das und hat die Reaktionen einkalkuliert.

Von Interesse ist die Reaktion aus Brüssel. Hätten die dortigen Bürokraten auch nur ein Quentchen Rückgrat, würden sie den Schritt der Litauer nicht nur verbal unterstützen, sondern überdies selber die Republik China anerkennen. Und nur weil sich Peking ideologisch näher fühlen, als der Regierung in Taipeh, werden sie im besten Fall schweigen und im schlimmsten Fall, Druck auf Vilnius ausüben.

In einer aufrechten Welt, würde Litauen für diesen Schritt zuerst Anerkennung erhalten und dann würden andere Länder folgen: Die Staaten der EU, Großbritannien, Singapur, die Philippinen, Australien und Indien. Der Gesichtsverlust für Peking wäre gravierend. Bisher pflegen nur eine Reihe kleiner und kleinster Staaten diplomatische Beziehungen zum demokratischen Inselstaat; mit einer Ausnahme: Der Heilige Stuhl hat seit 1942 eine Vertretung in Taipeh.

Eine solche Anerkennung wäre ein Maßregelung, die den kommunistischen Machthabern ihre Grenze aufzeigte. Schwerlich dürften sie mehr unternehmen, als verbales Poltern. Einen militärischen Konflikt mit den USA wird China nicht riskieren; und einen Abbruch sämtlicher Beziehungen kann sich auch Peking nicht leisten. Sein wirtschaftlicher Aufstieg ist allein den geschäftlichen Beziehungen in die anderen Staaten geschuldet. Ohne sie platzt die rote Blase.

So gesehen, hat Litauen die wunde Stelle der Post-Maoisten getroffen. Kein Wunder; denn Vilnius befindet sich in einer ähnlichen Position wie Taipeh. Beide Staaten existieren im Schatten einer Landmacht. Beide verteidigen ihre Unabhängigkeit seit Jahrzehnten mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und immer war ihr Erfolg der Gradmesser, wie demokratisch und rechtsstaatlich es in der Welt zugeht. Nach der drohenden Niederlage in Hongkong, ist die Anerkennung Taiwans durch Litauen ein kleiner Sieg der demokratischen Seite. Die USA haben den Schritt schon begrüßt; aber auch das ist nur ein kleiner Schritt. Der wirklich große sollte bald folgen.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.