Die Corona-Epidemie entwickelt sich allmählich zur größten wirtschaftlichen und menschlichen Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg – egal ob die enormen Verluste an Werten und Menschenleben dem Virus selbst zugeschrieben werden oder den Folgen. Damit wird die Frage nach der Herkunft des Virus buchstäblich virulenter. Denn sollte sich herausstellen, dass das Virus seinen ursprünglichen Namen völlig zu recht trug – das ›Chinesische Virus‹ –, dann kommen erhebliche Kosten auf Peking zu. Mehr noch: Der kommunistische Teil des Landes würde vor der Weltgemeinschaft auch den letzten Rest Vertrauen einbüßen, den es hatte. Damit aber beginnt sich eine Parallele abzuzeichnen.
Vor 35 Jahren, am 26.April 1986, flog der Block 4 des sowjetischen Kernreaktors »W. I. Lenin« in Tschernobyl in die Luft. Was folgte war ein Lehrstück kommunistischer Täuschung und Lüge, sowohl gegenüber dem eigenen Volk als auch gegenüber allen anderen Völkern. Immer wurde nur genauso viel zugegeben, wie ohnehin jeder wusste und zu keinem Zeitpunkt wurde die Wahrheit gesagt. Eine unabhängige Untersuchung vor Ort war selbstverständlich ebenso tabu wie eine genau Angabe über Gründe und Opfer. Sie stammen aus einer späteren Zeit, als es die Sowjetunion nicht mehr gab.
Die Parallele liegt auf der Hand, sofern man die Möglichkeit einer gezielten Ausbreitung durch Peking ausschließt; eine Möglichkeit, die durchaus im Bereich des Denkbaren liegt. Seit ihrem Bestehen hat sich Rot-China niemals um die Zahl der Opfer ihrer Machtpolitik gekümmert. Wenn es aber Peking mit dem Virus ähnlich erging, wie Moskau mit dem Reaktorblock 4, dann ist es sinnvoll, nach Ähnlichkeiten zu fragen. Und die beginnen beim Ablauf:
Sowohl Moskau als auch Peking ließen die Welt im Dunklen darüber, was im Norden der Ukraine geschah. Erst als der radioaktive Fall-Out von schwedischen Wissenschaftlern nachweislich auf eine Havarie in einem sowjetischen Reaktor zurückgeführt werden konnten und amerikanische Satelliten die radioaktive Rauchfahne photographierten, gab der Kreml Stück für Stück Informationen heraus. Die massive gesundheitliche Schädigung der Menschen in Europa nahm das Regime billigend in Kauf. Vielleicht hoffte es sogar auf größere Schäden.
Peking verfährt seit Dezember 2019 nach demselben Prinzip. Nachdem das Virus aus einem Labor entwichen war, wurde weder die eigenen Bevölkerung gewarnt, noch sonst jemand über das Geschehen informiert. Im Gegenteil: So wie die Rauchwolke von Tschernobyl Radioaktivität tagelang über Europa verteilte, wurde das Corona-Virus aus Wuhan verteilt. Allerdings nicht nur nach Europa, sondern über die ganze Welt. Und natürlich ist es gut vorstellbar, dass die Machthaber in Peking auf massive Schäden spekulierten, die das Virus anrichten würde.
Allerdings könnte die Kommunistischen Partei Chinas, KPCh, leicht die Kontrolle über die Folgen verlieren. Zur Erinnerung: Der Reaktorunfall von Tschernobyl gilt als der letzte Sargnagel des Kommunistischen Regimes in Moskau. Keine vier Jahre nach der Explosion implodierte die UdSSR und wurde von der Geschichte verschluckt.
In einem Aufsatz für die National Review stellt der US-amerikanische Historiker Arthur Herman genau diese Frage oder besser Fragen. Eine davon lautet: »Könnte der internationale Aufruhr über COVID einen Punkt erreichen, an dem Xi Jinpings Kollegen beschließen, dass er ein bequemer Sündenbock ist und ihn absetzen?« – Und verneint die Möglichkeit, da Xi Jinpings einer rücksichtslosen Ein-Mann-Herrschaft vorsteht, allerdings schließt es sie auch nicht gänzlich aus. Ausgeschlossen ist allein, dass die Bevölkerung die Wahrheit über Wuhan erfährt.
Damit aber endet die Parallele. Denn anders als die UdSSR im Jahr 1986 befindet sich Rot-China nicht wie die UdSSR am Ende seines Griffs zur Weltmacht, sondern erst am Beginn. Das Unglück trifft also nicht auf ein verunsichertes, sondern auf selbstbewußt operierendes imperiales Regime. Anders als 1986 ist daher eher mit einem offensiven Umgang zu rechnen. Die Katastrophe von Wuhan wird von Peking eher als ungeplanter weiterer Weg zur Weltmacht betrachtet: Der Gegner wird wirtschaftlich massiv geschädigt und die menschlichen Opfer – egal ob direkt oder indirekt durch Corona verursacht – erreichen Dimensionen, wie man sie sonst nur von Weltkriegen kennt.
Nein, die Labor-Katastrophe von Wuhan ist für die Führung der KPCh nicht die Katastrophe von Tschernobyl. Ganz im Gegenteil. Corona wird nach und nach zu einem Mittel, die Welt zu erobern.
Allerdings könnte sich Wuhan zu einem Tschernobyl entwickeln, wenn die betroffenen Länder, mit deren Bürgern Rot-China nicht anders umgeht, als mit seinen eigenen Bürger, merken, mit welchem Regime sie Handel treiben, als sei es eine Regierung unter vielen. Denn was ist von einer Regierung zu erwarten, der ein Virus aus seinen Laboren entweicht, und die anschließend zusieht, wie es sich über die Welt ausbreiten kann?
Es liegt an diesen Regierungen und ihrer Politik, ob die Labor-Katastrophe von Wuhan zu einem weiteren Stein auf dem Weg zur kommunistischen Weltmacht Rot-China wird oder vielleicht doch zu einem Knick, der nach unter führt und an dessen Ende der Niedergang dieses Dritten Sozialistischen Reichs steht.


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