Für Gesundheitsminister Jens Spahn wird die Luft langsam dünner. Selbst im Mainstream hagelt es Kritik an der völlig verfehlten Impfstrategie. Und nun erweist sich die von seinem Haus geplante Hotline zur Information der Bürger über die Impfungen – die Impf-Hotline – nicht nur als teuer, sondern zudem als unbrauchbar: Aus Baden-Württemberg werden Wartezeiten von 10 Minuten, in den Nutzer-Kommentaren der Presse von Wartezeiten bis zu zwei Stunden berichtet.
Dabei wurde die Leitung noch gar nicht gefordert. Bisher haben nur wenige Tausend Bürger unter der Nummer 116 117 versucht, auf ihre Fragen eine Antwort zu kriegen. Nach Angaben des Ministeriums sind die seit dem 21. Dezember arbeitenden Callcenter, die wöchentlich bis zu 200.000 Anfragen bearbeiten könnten, zu 60 Prozent ausgelastet. In Spitzenzeiten ab Anfang Januar sollen es 500,000 wöchentlich werden. Für ein durchschnittlich digitalisiertes Industrieland eigentlich kein Problem – aber offenbar ging die Hotline schon vorher in eine Art Lockdown Light.
Das Ministerium ist informiert. Ein Sprecher berichtet von »sehr ernst zu nehmenden Hinweisen« und erklärte: Der »Überlastung der Hotline gehen wir derzeit intensiv nach«. Angeblich sind es technische Gründe.
Vielleicht macht es das Ministerium ja wie die Bundesregierung bei vielen Unternehmen, denen sie die für November 2020 versprochenen Hilfsgelder bisher nicht zahlt. Also liefert der Anbieter nicht. Wer weiß?
Sicher ist: Der Auftrag ging an die Frankfurter ›gkk Digital Group‹, die als Generalunternehmer fungiert, die also den Auftrag durch Unteraufträge an verschiedene Callcenter realisiert; die Center stellen die nötige Technik. Dass Fragen und Antworten in eine umfassende Datenbank eingespeist werden sollen, macht den Auftrag zu mehr als bloßen Telefonaten mit der netten Dame vom Amt.
Allerdings ging der Auftrag nicht dauerhaft an die Frankfurter. Es handelt sich um eine Interimsvergabe, die im März abläuft, wenn die zugleich eingeleitete europaweite Ausschreibung abgeschlossen ist. Wie gesagt: Mitte März! Bis dahin zahlt das Gesundheitsministerium 50 Millionen Euro an den Interimsbetreiber.
Die teure und offenbar technisch unzulängliche Zwischenlösung begründet das Ministerium von Jens Spahn mit dem Druck der Lage. Es sei notwendig gewesen, dass der Bürger seine Fragen »schnell, zuverlässig und fachlich fundiert« beantwortet bekommt.
Wer jetzt denkt: Ein Ministerium, das seine Bürger informieren will, der liegt falsch. Über den Grund zur Eile sagte eine Sprecher: »Nur so kann vermieden werden, dass die Menschen bei ihrer Suche nach Informationen durch nicht sachgerechte oder interessengeleitete Angebote bereits im Vorfeld der Impfung negativ beeinflusst werden.«
Offenbar vermutet man im Ministerium des Jens Spahn eine böse Verschwörung. Bei soviel Kritik wie in den vergangenen Wochen, kann das passieren.


Add new comment