Seit über einer Woche führt ein zuvor wenig bekannter Blogger den, um es mit Kafka zu sagen, »Beweis dessen, daß auch unzulängliche, ja kindische Mittel zur Rettung dienen können«. In einem kleinen Beitrag hatte Hadmut Danisch zunächst nur auf einige Unstimmigkeiten in Annalena Baerbocks Vita gezeigt. Er hatte der Süddeutschen Zeitung eine Frage gestellt und das Blatt auf den Fehler verwiesen, Baerbock Bachelor zu nennen. Nichts, was nicht auch jeder andere Blogger gemacht haben könnte.
Dann kam der Informatiker in Danisch zum Vorschein. Denn was viele nicht wissen: Fast jeder gute Informatiker hat etwas von einem Spürhund. Einmal auf eine Fährte angesetzt, lässt er nicht wieder locker. In wenigen Stunden hatte Danisch entdeckt, dass die Grünen dabei waren, etwas Unentdecktes im Lebenslauf von Frau Baerbock auch weiterhin vor der Entdeckung zu schützen: Irgendwer hatte pdf-Dokumente geändert und war dabei, auch weiterhin pdf-Dokumente zu ändern.
Ein kleiner Handgriff für einen Fachmann, aber ein große Ohrfeige für eine Kanzlerkandidatin.
Von jetzt gingen die Klicks bei Danisch mit Sicherheit durch die Decke – und fast jeder gönnt es ihm vom Herzen. Der eben noch relativ unbekannte Blogger wurde in den Medien zitiert und dann endlich auch sein Name gedruckt. Denn er war gerade dabei, den medial inszenierten Siegeszug der Annalena Baerbock aus den Gleisen zu werfen. Aus der seifenblasenden Völkerrechtlerin war plötzlich eine schaumschlagende Studentin geworden, die in acht Semestern ein Vor-Diplom und anschließend einen Schnellkurs »Master of Public Law« in London absolvierte.
Der Lack war ab! Annalena Baerbock droht nun eine Art Guttenberg**Giffey zu werden. Mit dem Unterschied, dass sie noch nicht im Amt ist. Doch nun greift der Mainstream ein und versucht seine Kandidatin zu retten. Nach dem Bär und dem Bock kommt der Bulle.
Die Süddeutsche schickte Constanze von Bullion in den Ring, um dem David aus dem Internet, Hadmut Danisch, die Leviten zu lesen – eine Journalistin mit einem Bilderbuchlebenslauf: Studium Geschichtswissenschaft, freie Autorin und Reporterin für TAZ, Tagesspiegel und nun Süddeutsche. Mainstreamiger geht es wohl kaum.
Nein, wir wollen nicht wissen, ob sie Geschichtswissenschaften nur studiert hat und auch nicht wo. Aber es würde uns schon interessieren, warum eine Frau Jahrgang 1964 Unsinn schreiben kann wie: »Im Bundestagswahlkampf wird bisher niemand so erbarmungslos angegangen wie Annalena Baerbock.« Zur Erinnerung: Armin Laschet war keine zwei Tage Kandidat, da wurde schon diskutiert, ob die Union ihn nicht besser gleich wieder umtauschen sollte.
Ebenso unsinnig, aber dafür konventioneller geht es zunächst weiter: »Die Grünen sind ein gefährlicher Gegner, gerade weil da eine Frau, und mit ihr eine neue Generation vorangeht.«
Dann kommt Frau Bullion auf den Punkt: »Mit Widerstand hatten die Grünen gerechnet, auch mit einem harten Wahlkampf«, fährt sie fort, aber »dass die Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock politische Gegner so schnell an ihre Grenzen befördern würde und darüber hinaus, dürfte viele überrascht haben. Seit die Parteivorsitzende in den Bundestagswahlkampf eingestiegen ist, rutscht ihren Widersachern offenbar das Herz in die Hose.«
Seltsam: Nachdem die Grünen die Brisanz der Fragen von Hadmut Danisch nicht erkannt haben und kurz danach in Panik schlampig Spurenverwischung betrieben, glaubt die Süddeutsche Zeitung in Person von Frau Bullion, den politischen Gegnern von Frau Baerbock rutsche das Herz in die Hose.
Das Gegenteil dürfte der Fall sein und erklären, warum Frau Baerbock noch immer schweigt. Der Goliath Mainstream-Medien muss erkennen, dass ihm gerade ein Stein an den Kopf fliegt und dass, wenn er nicht aufpasst, der von ihm inszenierte Spuk in Kürze vorbei ist. Dann sind die Grünen wieder dort, wo sie realistischerweise stehen und Frau Baerbock kann endlich, endlich ihre Doktorarbeit beenden.
Oder nach dem Motto: »Du Philosoph, ich Schweinepriester«, bei Robert Habeck den Stall ausmisten gehen.


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