In einem Interview mit der Welt versucht die Fraktionschefin der Grünen Katrin Göring-Eckardt wieder Terrain zu gewinnen. Denn ihre Partei hat in den letzten Wochen einen in der Geschichte der Wahlumfragen beispiellosen Absturz erlebt. Von zeitweise 25 Prozent ging es runter auf zuletzt 14 Prozent. Daneben erinnert Martin Schulz an ein Erfolgsmodell.
Also versucht Göring-Eckardt sich in Kritik an der Bundesregierung, speziell am Gesundheitsminister: »Um eine wirkliche Kontrolle des Infektionsgeschehens zu gewährleisten, hat Gesundheitsminister Jens Spahn noch viel zu tun.« Dabei verweist sie auf das Fehlen einheitlicher, bundesweiter Teststrategie. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sieht sie in der Kritik, weil die »Pandemie-Wirtschaft« – ja, sie benutzt wirklich dieses Wort! – nicht auf dem Niveau ist, wo sie sein müsste.
Tiefer geht ihre Kritik an der Bundesregierung jedoch nicht. An der hat sie »weniger Kritik als an manchen Ministerpräsidenten, denen es nicht schnell genug gehen kann.« Sie steht, wie ihre Partei, für den starken Staat, sofern ihre Interessen durchsetzen will. In der Entwicklung, dass Angela Merkel sich nicht mehr durchsetzen kann, sieht sie eine Gefahr.
Hart geht die Fraktions-Chefin der Grünen mit den Demonstranten ins Gericht, die ihren Unmut über die problematischen Maßnahmen zum Ausdruck bringen. Zwar gibt sie vor, »froh« zu sein, »dass in unserer Demokratie jeder seine Meinung sagen kann und demonstrieren darf.« Ausdrücklich gilt das auch für »Alu-Hüte und Verschwörungstheoretiker.«
Aber dann erkennt sie ihren politischen Feind: »Es haben aber sehr unterschiedliche Leute demonstriert« Und dabei waren auch rechte Ideologen. Sie verstehe nicht, »dass man rechten Ideologen hinterherläuft und dabei auch noch sämtliche Abstandsregeln missachtet und somit seine Nachbarn in Gefahr bringt.«
Natürlich will sie aufklären. »Wir müssen reden, reden, reden.« Und sie will das Vertrauen der Bürger mit Hilfe des Robert-Koch-Instituts zurückgewinnen. »Um Verschwörungstheorien mit fundierten Fakten entgegenwirken zu können«, erläutert sie, sollte das RKI »weiterhin zweimal in der Woche eine Pressekonferenz geben.«
Wer das liest, wundert sich nicht mehr, dass die Grünen bei einem weiteren Absturz in dem momentanen Tempo bald einstellig sind.


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