Lothar Wieler, Tierarzt, gibt die Richtwerte vor

Gegen alle Fachleute_ Das RKI hält krampfhaft an Sieben-Tage-Inzidenz fest

Das RKI will an der 7-Tage-Inzidenz als Richtwert festhalten. In der Politik regt sich Widerstand.

Nach dem Krieg fragen sich militärische Fachleute immer wieder: Wie war das möglich ? Wie war es möglich, dass das Alliierte Oberkommando den Vormarsch der deutschen Panzer durch die Ardennen zu spät bemerkte ? Wie war es möglich, dass die US-Navy am Morgen von Pearl Harbor schlief? Wie, dass die Deutsche Wehrmacht im Dezember 1944 noch die Alliierten noch einmal in den Ardennen überraschte ? – Ganz einfach: Es war eine Mischung aus Arroganz und Unfähigkeit.

Ganz so verhält sich das Robert-Koch-Institut, RKI. Obwohl praktisch alle international renommierten Fachleute die 7-Tage-Inzidenz spätestens für diese Phase der Pandemie für wenig brauchbar erklären, Gesundheitsminister Spahn sich ihnen anschließt und das RKI sogar selbst zu anderen Werten geraten hat, hält der Chef des Instituts an der 7-Tage-Inzidenz als ›Leitindikator für Infektionsdynamik‹ fest. Seine Untergebenen haben ein entsprechendes Papier an die Chef der Staatskanzleien der Länder weitergeleitet. vor. Dazu tönte RKI: »Die vierte Welle hat begonnen.«

Die Politik scheint jedoch verunsichert. Einige Bundesländer wollen sich dem pseudo-wissenschaftlichen Methoden des RKI-Präsidenten nicht mehr unterwerfen. Also hat Kanzleramtschef Helge Braun, CDU, die Frage zur Richtungsentscheidung erklärt, über die auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August entschieden werden soll. Wie das endet, kann man sich denken. Frau Merkel wird es sich schwerlich nehmen lassen, ein letztes Mal ihr Notregime über Deutschland zu verhängen. Die Bild-Zeitung titelt entsprechend auch schon: »Wieler will Lockdown statt Freiheit«.

Wahrscheinlich liegt das Blatt in seiner Einschätzung richtig. Aber zu Arroganz der Macht kommt noch ein weiterer Punkt: Die Eitelkeit der Mächtigen. Lothar Wieler war nie mehr als ein Veterinärmediziner, im Volksmund auch Tierarzt oder Pferdedoktor genannt. Als indirekter Herrscher über den Alltag von 80 Millionen erlebt er sich seit einem Jahr im Lichtkegel der Aufmerksamkeit. Nach der Pandemie bedeutet für ihn: Keine Anrufe mehr, keine täglichen Pressekonferenzen, Bedeutungslosigkeit. Da fällt man lieber eine falsche Entscheidung, die in die Geschichte eingeht, als eine, die alles beendet und es still wird um einen.

Sven von Storch

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