Apartheidsstaat Katar

Fußball-WM in Katar_ Deutsche lehnen Teilnahme mehrheitlich ab

Die Fußball-WM in Katar findet nach wie vor keine Zustimmung bei den Deutschen. 67 Prozent lehnen sie ab.

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar widerspricht so ziemlich allem, wofür Deutschland offiziell und auch inoffiziell einsteht: Die Rechte asiatischer Arbeiter werden mit Füßen getreten, Frauen gelten in dem moslemischen Land als Bürger zweiter Klasse und die Durchführung der Spiele in klimatisierten Stadien dürfte mehr zum CO2 produzieren als manch eine deutsche Großstadt zu Lasten seiner Bürger eingespart hat.

Welcher der Gründe ausschlaggebend ist, lässt sich nicht sagen. Aber nach einer Umfrage sind 65 Prozent der Deutschen dafür, dass Deutschland die WM in Katar boykottiert. Das ergab eine Umfrage des Institutes Infragestellen dimap im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks – also fast eine Zweidrittelmehrheit. Nur 26 Prozent sind gegen einen Boykott. Die verbleibenden neun Prozent sind unentschieden oder machten keine Angaben.

Die WM soll am 21. November beginnen und mit dem Endspiel am 18. Dezember 2022 enden. Sie ist ein Prestigeunternehmen für das Land, das sich mit der Durchführung als weltoffen präsentieren will.

Tatsächlich herrschen auf vielen Baustellen menschenunwürdige Verhältnisse. Arbeiter vor allem aus ostasiatischen Ländern leben und arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen. In den vergangenen zehn Jahren sind 6.500 Arbeiter bei Unfällen ums Leben gekommen. Diese Zustände wurden von der Regierung indirekt bestätigt, als Katars Regierungsmitglied Thamer Al Thani im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur auf »bedeutende Fortschritte« verwies, die Katar gemacht habe. Als Reaktion weigert sich ein niederländisches Unternehmen, den Rasen für die Stadien zu liefern, berichtet die Berliner Zeitung.

Auch die Lage der Frauen in dem moslemischen Land verdient die Bezeichnung Apartheid. Wie Human Rights Watch, sonst nicht gerade für eine islam-kritische Haltung bekannt, bereits vor Jahren berichtete, brauchen Frauen in Katar unabhängig vom Alter die Erlaubnis eines männlichen Vormunds, um zu heiraten. Eine Frau gilt als »ungehorsam«, wenn sie nicht die Erlaubnis ihres Mannes eingeholt, falls sie eine Arbeit aufnimmt, verreist oder das Haus verlässt. Verweigert sie es, mit ihrem Mann Sex zu haben, ohne einen »legitimen« Grund anzugeben, gilt sie ebenfalls als »ungehorsam«. Umgekehrt können Männer mit bis zu vier Frauen gleichzeitig verheiratet sein.

Proteste gegen die Verhältnisse in dem moslemischen Land sind selten. Nur durch die Austragung der WM werden sie überhaupt bekannt. Bisher ist es nicht zu größeren Protesten durch die üblichen Aktivisten gekommen. Sie schweigen lieber, als den Vorwurf zu riskieren, anti-islamisch zu sein.

Sven von Storch

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