Jetzt wird es wirklich eng für Franziska Giffey. Erst letzte Woche hatte die Ministerin erklärt, ihren Doktortitel nicht mehr tragen zu wollen. Doch nun betont die Hochschule, die ihr den Titel verlieh, die Arbeit trotzdem noch einmal überprüfen zu wollen.
Ein Widerspruch ? – Könnte man meinen. Warum soll die Arbeit ›Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft‹ noch einmal auf den Prüfstand kommen, wenn die Autorin der Arbeit ihren akademischen Titel sowieso nicht mehr trägt ?
Weil es etwas anderes ist, einen Titel zu tragen und einen Titel zu haben. Doktor kann man auch sein, ohne sich Doktor zu nennen. Und das war es, was Giffey plante: Sie trägt den Titel nicht mehr und braucht dann, da ihr der Doktor nicht aberkannt wurde, auf ihre gut dotierte Tätigkeit in der Bundesregierung nicht zu verzichten. Sie könnte sogar, wenn alles glatt geht, in Berlin den Posten des Regierenden Bürgermeisters ergattern.
Ihre Kollegin in der Regierung, Bundesjustizministerin Christine Lambrecht, SPD, lag daher auf Kurs, als sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte: »Frau Giffey hat klargemacht, dass der Doktortitel für sie keine Rolle mehr spielt. Ich muss sagen: Ganz großen Respekt!«
Den Verweis auf Guttenberg kontert sie mit dem Hinweis: »Das war eine ganz andere Situation. Herrn Guttenberg ist der Doktortitel entzogen worden – Frau Giffey nicht.«
Das stimmt – noch! Denn die Hochschule befindet sich nach Giffeys Erklärung, den Doktortitel nicht mehr tragen zu wollen, in der misslichen Lage eines Ermittlers, der einen Verdächtigen für schuldlos erklärt hat, der plötzlich einen Teil der Beute zurückgibt.
Auf der Freien Universität Berlin, die zu den linken Hochburgen zählt, lastet der Vorwurf, ein Gefälligkeitsgutachten geschrieben zu haben. Diesen darf die Hochschule nicht im Raum stehen lassen. Das hat Giffey bei ihrem Manöver offenbar nicht beachtet. Die Hochschule muss neuerlich prüfen.
Das Gerücht, das gestern kurzzeitig von n-tv in Umlauf gesetzt werden konnte, Giffey wolle mit einer Klage die erneute Prüfung verhindern, klingt also durchaus plausibel. Aber es ist eben nur ein Gerücht.
Giffey bestreitet sogar, klagen zu wollen. Und auch das klingt plausibel. Wie stünde sie da, wenn sie auf dem juristischen Weg verhindern wollte, dass noch einmal geprüft wird, ob ihre Arbeit nicht doch ein Plagiat ist ?
Der Freien Universität bleibt nun eigentlich keine andere Wahl: Sie muss bei der zweiten Prüfung anerkennen, dass die Arbeit von Frau Giffey ein Plagiat war. Anschließend verliert Giffey den Doktor und die Freie Universität weitere Reputation. Und die SPD braucht einen neuen Kandidaten für den Posten des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.


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