Wer in Russland gegen die Regierung demonstriert geht ein ähnlich hohes Risiko ein, wie Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland. Gestern sind bei Protesten gegen den Einmarsch Russlands in die Ukraine in vielen russischen Städten mehr als 1.700 Menschen festgenommen worden, 949 davon allein in Moskau. Das berichtet das Bürgerrechtsportal Owd-info.
Das Portal berichtet generell über Festnahmen und listet die Fälle nach Möglichkeit im Internet detailliert auf. Die Betreiber geraten immer wieder in Konflikt mit den Staatsorganen. Erst im Dezember war die Internetseite der Bürgerrechtler gesperrt worden. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie »die Aktivitäten und Mitglieder extremistischer und terroristischer Vereinigungen rechtfertigen würden« – durchaus eine Art von Begründung, wie man sie aus Deutschland kennt.
Bei einer Demonstration in Moskau zogen mehrere Tausend Personen durch die Stadt. Die Polizei griff sehr schnell ein. Die Regierung hatte bereits im Vorfeld erklärt, sie würde hart gegen Friedensdemonstranten vorgehen. Die Proteste waren allgemein verboten worden.
Der Menschenrechtler Lew Ponomawjow veröffentlichte eine Petition gegen den Krieg. Sie trug bis Donnerstagabend 289.000 Unterschriften von Unterstützern. In einem offenen Brief erklärten über 250 russische Journalisten ihre Kritik am Vorgehen der Regierung und sprachen sich gegen den Einmarsch aus. Ein ähnlicher Brief wurde von über 200 Wissenschaftlern und Kommunalräten unterschrieben.


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