Das Foto trifft die Lage wie kaum etwas anderes in den vergangenen Wochen: Beim Treffen von Frankreichs Staatspräsident Macron und Russlands Präsident Putin saßen beide an einem Tisch, der speziell für die Herstellung von Abstand entworfen zu sein scheint. Doch auf die Entfernung redet man schnell auch einmal aneinander vorbei.
Schon die Ausgangslage könnte kaum unverstandener sein. Dort ein Russland, dass sich bedroht fühlt; hier ein Militärbündnis, das vom russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine völlig überrascht ist. Dort ein russischer Präsident, der ernsthaft sagt, die baltischen Staaten müssten sich von Russland nicht bedroht fühlen, hier ein französischer Präsident, der den Schein wahren muss, die Krim sei weiterhin ukrainisch. Dort ein selbstbewusster Staatschef, der Träume vom wiedererstandenen Russischen Reich wahr werden lässt, hier der Präsident einer schwächelnden westlichen Staatengemeinschaft, die sich in der neuen Weltordnung erst noch zurechtfinden muss.
Wer weiß, wie viele Kriege begannen, weil die späteren Gegner im Vorfeld des Krieges die Realität nicht erkannten, muss Sorge haben, wie sich die Situation in Osteuropa entwickelt. Und wenn Selbstverständlichkeiten wie, dass Russland zu Europa gehört, eigens gesagt werden müssen, dann hat man sich weit von den Realitäten entfernt. Ebenso selbstverständlich haben die mittel- und osteuropäischen Staaten in der geographischen Realität einen Anspruch auf ein gesichertes Dasein, ohne die Drohung durch eine Großmacht. Und es wird Zeit, endlich die Realität zu erkennen, dass alle Großmächte besser einen Sicherheitsabstand bewahren.
Allerdings ist es momentan schwierig, das alles zu akzeptieren. Weder kann Macron den Politikern in Kiew deutlich machen, dass nicht nur die Krim verloren ist, noch kann Putin seine Panzerverbände zum Rückzug bewegen. Nicht jetzt! Dafür haben beide Seite zu hoch gepokert.
Und doch geht es nicht anders, soll die Katastrophe eines Großen Krieges nicht Wirklichkeit werden, der wir näher sind, als wir merken. Oder glaubt jemand, wenn Macron sagt: »Der Weg zum Frieden in Europa ist noch begehbar«, das sei beruhigend? – Nein, dieser Satz sollte für alle ein Warnsignal sein, wie weit es schon wieder ist. »Noch ist der Weg zum Frieden begehbar.« Noch! – Und wenn nicht?
Und wer kann diesen Weg gehen? – Sicher kein Politiker aus der Riege des EU-Gezüchts wie Macron. Und auch keine Angela Merkel. Schröder mit seiner Putin-Lobhudelei schon gar nicht.
Es ist zum Verzweifeln. Denn auch in der US-Regierung lässt sich niemand nennen. Keiner ist wendig und stark zugleich, mit Putin zu reden, ohne dabei wie ein kompromissbereiter Schwächling zu wirken. Und einen Chamberlain braucht keiner.
Also bleibt nur der eine, den in Deutschland kaum einer will. Denn er allein verbindet die Fähigkeit, das Ungewohnte und Unerwartete in die Wege zu leiten und dabei nicht unstet und wankelmütig zu wirken: Ex-US-Präsident Donald Trump. Um beim Bild des ovalen Tisches im Kreml zu bleiben: Trump hätte den Abstand nicht hingenommen, hätte das Symbol der Distanzierung verstanden und umgedeutet in eine Geste, die sagt: Lass uns diesen Abstand hier und jetzt überwinden. Doch dazu ist, wie schon gesagt, das dilettierende, infantile Politikpersonal der EU nicht in der Lage.


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