Annegret Kramp-Karrenbauer will Frauenquote in der CDU bald verpflichtend

Dummheit mit Statistik_ Die CDU und ihre Quoten

Eine verbindliche Frauenquote soll bald in der CDU eingeführt werden. Doch welche Quote ist verbindlich ? - Eine Glosse

Als Statistiker ist man einiges an Unfug gewohnt. Sinnfreie Stichproben, Mittelwerte ohne Streuung, arithmetische Mittel von Zensuren. Aber das Schauspiel, das die CDU nun bietet, verdient einen besonderen Preis: Die Frauenquote. Ab 2025, so ein Beschluss der CDU-Satzungskommission, sind Parteivorstände ab Kreisebene je zur Hälfte mit Männern und Frauen zu besetzen.

Dass die Christdemokraten es Ernst meinen, ist am geplanten Stufenmodell zu erkennen. Schon ab kommendem Jahr sollen mindestens 30 Prozent der Vorstandsämter ab der Kreisebene mit Frauen besetzt werden müssen. Im Jahr 2023 sollen es dann 40 Prozent werden, 2025 endlich, endlich 50 Prozent. In der Satzungskommission stimmten 34 Mitglieder für und sieben dagegen, fünf enthielten sich ihrer Stimme.

»Wenn nicht genügend Frauen zu ihrer Einhaltung kandidieren«, hieß es aus der Parteizentrale laut Welt, wird eine Ausnahme gelten: Dann bleiben die für Frauen reservierten Ämter unbesetzt! Ausdrücklich übernehmen also nicht etwa Männer die Plätze, sondern für die nicht vorhandenen weiblichen Kandidaten werden Leerstellen eingerichtet. Ein Schelm, der darin nicht eine gewisse Symbolik erkennt.

Da eine ähnliche Quote womöglich bald für andere menschliche Merkmale ebenfalls eingeführt werden wird, darf der neutrale Beobachter sich auf amüsant gemischte Vorstände freuen. Schon wenn zusätzlich auch nur zwei Hautfarben berücksichtigt werden, ergeben sich vier verschiedene Gruppen: schwarz -weiblich, weiß-männlich, weiß-weiblich, schwarz-männlich. Nimmt jemand zu ›männlich‹ und ›weibliche‹ noch ›eunuchig‹ hinzu, wächst die Vielfalt der Untergruppen dramatisch. Und ziemlich sicher bleiben die Plätze für weiße, schwarze, rote und gelbe Eunuchen wegen der Leerstelle meistens ebenfalls leer. Mal sehen.

Rein statistische gesehen hat die Vorsitzende der CDU jedoch noch einen weiteren Stolperstein zu überwinden: Auf welche Grundmenge von Personen will sie sich für die Quotierung beziehen: Deutschland ? das jeweilige Bundesland, in dem gewählt werden soll ? die Mitgliedschaft in dem Bezirksverband der Partei ? – Denn je nachdem, worauf sich die Berechnung der Quote bezieht, ergeben sich völlig andere Werte. In Deutschland sind Männer und Frauen etwa gleichverteilt; doch sicher nicht in den Bezirken einer Partei.

Das wird zu spannenden Kombinationen mit vielen Leerfeldern führen. Man könnte auch sagen: Eigentlich wird sich durch die Quote bei der CDU nicht wirklich was ändern.

Sven von Storch

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