Ein halbes Jahr vor den Bundestagswahlen wurde die CDU am Wochenende auf den Boden der politischen Tatsachen geworfen: Nicht die immer höheren Wahlprognosen aus den Zeiten des ersten Lockdowns – zeitweise 40 Prozent im ganzen Land – wurden Realität. Nein: Die CDU erlebte ein veritables Desaster. 27,7 Prozent Rheinland-Pfalz und noch weniger, nämlich 24,1 Prozent, in Baden-Württemberg. Jedes Weiter-So der Merkel-Partei hat sich damit erledigt
Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankt die CDU allein dem blassen bis konfusen Erscheinungsbild der Alternative für Deutschland. Sie hat in der Folge in Baden-Württemberg ein Drittel ihrer Wähler verloren. Die Entschuldigung, sämtliche Medien würden gegen sie sein, gilt daher nicht. Das war auch schon vor 4 Jahren nicht anders.
Natürlich hat das gute Abschneiden der Grünen in Baden-Württemberg und der SPD in Rheinland-Pfalz auch etwas mit der Figur des Spitzenkandidaten zu tun – das Großväterliche des ehemaligen Maoisten Winfried Kretschmann verkauft sich ebenso gut wie die Kulleraugen der Malu Dreyer. Beide Parteien, Grüne und SPD, erlebten in den jeweils anderen Bundesländern arge Schlappen. Die Grünen erreichten gerade einmal 9,3 Prozent, nachdem sie in Umfragen noch im Herbst 2019 auf 21 Prozent gehievt worden waren, im letzten Herbst angeblich 17 Prozent und vor zwei Monaten noch immer 15 Prozent für sich zählen konnten.
Wenn aber Personen Wahlen bestimmen, dann muss die CDU dringend Vorsorge treffen. Mit Angela Merkel an der Spitze erlebt sie sonst im Herbst ihr nächstes Fiasko. Der Kanzler-Bonus, der in Krisenzeiten nationalen Ausmaßes bis zu den Wahlen auf Landesebene durchschlägt, schlug hier als Kanzler-Malus zurück. Die Gründe sind klar: Die Bürger haben es satt, vom Kanzleramt gegängelt zu werden und dass etliche CDU-Politiker am Merkel-Lockdown verdienen macht es nicht gerade besser.
Die CDU in Baden-Württemberg sollte sich daher gut überlegen, ob sie nicht von sich aus, den Weg auf die Oppositionsbänke sucht. Opposition ist zwar Mist; aber so mistig nun auch wieder nicht. Und die Grünen können ohne die Christdemokraten mit SPD und FDP zusammen regieren. Ob das gut ist für Ländle und Land steht auf einem anderen Blatt.


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