Die Bilder könnten nicht deutlicher sein: Eine gut gelaunte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth begrüßt den iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani. Das kann man als Diplomatie bezeichnen; aber man kann auch den Hintergrund sehen. Denn Laridschani ist nicht irgendwer im Iran.
Laridschani gilt als Konservativer und diente kurzzeitig bei den Revolutionären Garden. Zeitweilig leitete er die Delegation bei den Verhandlungen über das iranische Atomwaffenprogramm. Bei der Münchener Sicherheitskonferenz sprach er 2009 von »unterschiedlichen Sichtweisen« auf den Holocaust und merkte an, im Westen dürfe Mohammed ungestraft beschimpft werden im Iran könne man dagegen Holocaust leugnen – eine Wortwahl, die in Deutschland mit Sicherheit als das gedeutet würde, was sie ist: Mindestens die Relativierung, wahrscheinlich die Leugnung des Holocaust.
Mit einem solchen Vertreter trifft sich Frau Roth und begrüßt ihn mit einer Herzlichkeit, die überrascht, wenn man ihr Auftreten in ostdeutschen Städten damit vergleicht. Dort hetzt sie über Bürger, die Kritik an der Flüchtlingspolitik und den Verhältnissen in deutschen Städten seit 2015 äußern. Und mit einiger Sicherheit wird sie die AfD für mitschuldig an den Morden von Halle erklären.
Wenn aber die Grünen zwischen der Tat von Halle und der Politik der AfD einen Zusammenhang sehen – dann darf, ja muss man auch nach einem Zusammenhang des iranischen Antisemitismus und der Politik von Frau Roth fragen. Und dann muss man folgern, dass Frau Roth sich nicht wesentlich anders verhält als ein beliebiger, likes verteilender Follower der mordenden Selbstdarsteller von Christchurch oder Halle.
Vielleicht ist Frau Roth ja keine Antisemitin; aber sie begrüßt einen Antisemiten und Holocaustleugner wirklich herzlich. Das musste, ja das durfte nicht sein. Wo sie hätte Distanz zeigen können, bewies sie Nähe. Und damit hat sie jedes Recht, andere für ihren Antisemitismus zu kritisieren, verloren.


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