Auslandseinsätze der Bundeswehr sind in Deutschland umstritten. Dabei steht vor allem die Frage im Raum, ob man sie will. Die Frage: Ob man denn kann, wird dagegen eher selten gestellt. Doch sie ist entscheidend. Denn im Krieg gilt, frei nach dem verfluchten Jack Sparrow, die Regel: Es zählt nur, was ein Mann kann und was ein Mann nicht kann.
Die Bundesmarine zum Beispiel kann mit ihren wenigen Schiffen bis nach Libyen dampfen. Sie kann dort patrollieren. Sie könnte sogar versuchen, verdächtige Schiffe zu stoppen. Vielleicht lässt sich das ein oder andere Schlauchboot mit Flüchtlingen nach Libyen schleppen.
Was die Bundesmarine aber nicht kann, ist sämtliche Landwege von Libyen nach Ägypten überwachen. Und den einzigen Weg an der Küste entlang, würde die Bundesmarine schon aus militärhistorischen Gründen nicht beobachten wollen. Namen wie Tobruk und El Alamein wird kein deutscher Sender aussprechen, kein deutsches Blatt drucken, schon weil es auf arabisch nicht viel anders klingt als im Reichsdeutschen Rundfunk.
Doch selbst wenn die Bundesmarine tut, was sie kann – ihr Material wäre sehr bald am Limit. Denn wie bei den deutschen Streitkräften fehlt es an allen Ecken und Kanten. Sie können nicht einmal Forderungen der Nato nachkommen. Bei den für das Projekt »Four Thirty« dem Bündnis zugesagten Verbänden handelt es sich »überwiegend um noch nicht voll ausgestattete und einsatzbereite Verbände«, wie die Bundesregierung auf Anfrage zugeben musste.
Trotzdem ist es schön, wenn man mal drüber redet. Auslandseinsätze der Bundeswehr – das verspricht, wie Klimanotstand, Spannung. So wie es die Medien mögen. Für »Four Thirty« sollen insgesamt »30 Bataillone, 30 Schlachtschiffe und 30 Flugstaffeln innerhalb von 30 Tagen« bereit sein, schreibt die Welt. Das wird schwierig, denn kein Land in Europa kann auch nur ein einziges Schlachtschiff auftreiben – nicht in 30 Tagen und auch nicht in 3000. Aber »Schlachtschiff« schreibt sich so schön.
Traumtänzereien sind das, bei denen das Leben der Matrosen riskiert wird.
Oder beruhigt man sich in Kanzleramt mit dem Gedanken: Sollte wirklich etwas passieren und die Mannen aus Pommern und Bayern in Seenot geraten, rufen wir Carola Rackete zur Hilfe und lassen sie von ihr nach Lampedusa in Sicherheit bringen.


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