Dass die Große Schließung der Schulen in den Monaten März, April und Mai bei den Schülern zum Teil erhebliche Bildungslücken hinterlässt, hat sich jetzt auch bis in die Ministerien herumgesprochen. Um die Lücken wieder zu schließen, sind einige Modelle im Umlauf. Eines davon will die SPD Bildungsministerin von Brandenburg anwenden.
In einer Erklärung hieß es, das Ministerium überlege, für die Osterferien Pflichtunterricht anzuordnen, um mögliche Bildungslücken zu schließen. Es gebe sicherlich Nachholbedarf. Zunächst müsse aber der Lernstand der Schüler in den Kernfächern ermittelt werden. Eine entsprechende Auswertung solle Mitte September durchgeführt werden und dann entschieden werden, ob es in den Herbstferien freiwillige Angebote gibt oder eventuell Unterricht an Samstagen erforderlich sei. Bis Ende November erwarte man Klarheit, auch darüber, ob die Osterferien ausfallen.
Diese Art der Informationspolitik läuft offenbar nach dem Motto: Wir haben eine gute und eine schlechte Nachricht für die Eltern. Zuerst die schlechte: Die Osterferien fallen aus. Und die gute: Wir geben es rechtzeitig bekannt.
In den meisten anderen Fällen arbeiten die Ministerien mit sehr viel kürzeren Vorbereitungszeiten. So gab Brandenburg erst am Mittwoch bekannt, dass auch in diesem Bundesland in den Schulen eine Maskenpflicht herrscht. Sie gilt allerdings nicht für den Unterricht. Damit lässt die SPD-Ministerin den Schulen eine Vorlaufzeit von wenigen Tagen, um den Unterricht entsprechend vorzubereiten: Am kommenden Montag sollen die Schulen wieder im Regelbetrieb öffnen.
Diese Entwicklung sieht Saskia Esken, ebenfalls SPD, kritisch. »Ich halte die Rückkehr zur gewohnten Normalität an den Schulen für eine Illusion und die Aufgabe von Abstandsregeln für sehr problematisch", sagte die SPD-Chefin. Nötig seien Unterrichtskonzepte, »die die Kontakte beschränken.« Geteilter Unterricht, zu dem verschiedene Gruppen zusammenkommen, müsse in Zeiten des Coronavirus anders organisiert werden. »In dieser Situation muss man vielleicht die Wahlmöglichkeiten einschränken«, empfahl Esken, die ein Studium der Germanistik und Politikwissenschaft vorzeitig abgebrochen und als Paketzustellerin und Kellnerin gearbeitet hat, den Schulleitungen.


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