Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, CDU, ist für seine drastischen Worte bekannt. Und mitunter müssen Worte ja auch deutlich sein, um auf eine Sache hinzuweisen, die brennt. Allerdings kann ein Politiker sich dabei auch selber schaden.
Schäuble, der seine verpasste Kanzlerschaft wahrscheinlich nie ganz überwunden hat, hat gegenüber AFP Demonstranten, die gegen die Corona-Maßnahmen protestieren, vor Extremisten und Verschwörungstheorien gewarnt.
Dass er von »irgendwelchen Verschwörungs-Spinnern« sprach, gehört sicher zum mitunter hitzigen, aber letztendlich akzeptierten politischen Ton. Schließlich wollen wir unsere Debattenkultur nicht in einer Art Sauberkeitswahn wegpolieren.
Doch dann, als Schäuble den Demonstranten rät, auf Extremisten zu achten, wählt er ganz andere Worte und Bilder: »Zu Extremisten sollte man immer Abstand halten, um sich nicht auf die eine oder andere Art anzustecken.«
Schäuble hat sich deutlich und er hat sich gewählt ausgedrückt; hier ist nichts einfach raus gerutscht. Der Bundestagspräsident spricht ausdrücklich von der einen oder der anderen Art sich »anzustecken«. Und es gehört nicht viel dazu, zumindest eine der beiden Arten als im übertragenen Sinne politische Art und Weise zu lesen, also durchaus als erlaubte Metapher.
Doch hinter der anderer Art liegt ein moralischer Abgrund.
Ansteckend, Herr Schäuble, ist eine Krankheit. Ansteckend ist ein Virus, wie wir endgültig in den vergangenen Wochen gelernt haben sollten. Und Extremisten mögen ja politisch bedrohlich sein; sie sind es sogar – aber sie bleiben doch Menschen.
Menschen sprachlich mit einem Virus in eins zu setzen, das haben National-Sozialisten gemacht. Es ist Nazi-Sprache in Reinkultur – falls man die Sprache des Dritten Reichs Kultur nennen möchte. In jedem Fall ist es die Sprache jener Verbrecher, an deren Opfer diese Regierung mehrmals jährlich mit erhobenem Zeigefinger erinnert. Und jeder mit nur etwas politischem Wissen weiß, wie die Bekämpfung der zum Schädling erklärten politischen Gegner verlief. Herr Schäuble, auch sie sollten das wissen.


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