Wer als Softwareentwickler mit Siemens zu tun hatte, wird wissen, dass das einstmals große deutsche Industrie-Unternehmen zwar Software für deutsche Behörden erstellte, aber selten in seinem Unternehmen einsetzen ließ. Die Qualität war in aller Regel hundsmiserabel. Nun hat der ehemalige Chef von Siemens, Joe Kaeser, einen weiteren Beweis geliefert, wie tief dieses Unternehmen mittlerweile gerutscht ist.
In einem Gespräch mit der Süddeutschen-Zeitung – das gleiche Blatt, dass aus Baerbocks Vor-Diplom zeitweise einen Bachelor machte – erklärte Joe Kaeser über die strauchelnde Kandidatin: »Die größte Glaubwürdigkeit für eine nachhaltige und langfristige Erneuerung hat sicherlich Annalena Baerbock«. Zuvor hatte die SZ gefragt: »Kann Annalena Baerbock Wirtschaft?« – Sicher eine interessante Frage, nachdem wohl auch dem Letzten klar geworden sein muss, dass sie zwar ihren Lebenslauf laufend verändern, aber kaum Völkerrecht kann.
Joe Kaeser macht den Eindruck, als habe Annalena Baerbock bei Siemens zumindest als Praktikantin gedient. Im Stil des Ausbilders lobt er, dass sie sich »unglaublich schnell« auch in traditionelle Industriethemen wie Stahl, Chemie oder Energietechnik einarbeiten könne. Jetzt fehlt nur noch ein: »Ich bin stolz auf sie!« und die Therapiegruppe kann den Termin fürs nächste Treffen ausmachen.
Aber Baerbock kann nicht nur in Technik! - Kaeser sagt, Baerbock stehe für eine sozial-ökologische Marktwirtschaft. Und die scheint, glaubt Kaeser, zu brauchen. »Wichtig ist ihr«, Baerbocks, »Pragmatismus, wenn es um Zusammenhänge geht: Sie sieht die ökologischen Aspekte, weiß aber auch, dass wir ein Industrieland sind.«
Und falls das nicht überzeugt: Sie, Baerbock, habe, so Kaeser, verstanden, »dass Außenpolitik auch Außenwirtschaftspolitik ist.« In Sachen Außenpolitik sehe er eine »Mischung aus Intellekt, klarer Kante und Dialog«. Einen Hinweis auf Baerbock als Völkerrechtlerin – hier wäre er am Platz gewesen. Doch Kaeser unterschlägt ihn. Aber sie wird sich, darf man vermuten, wohl auch in dieses Thema »unglaublich schnell« hinein zu fummeln verstehen. Wer in Industrie kann, kann auch in Völkerrecht.
Das größte Lob aus dem Mund des Ex-Siemens-Chef geht jedoch so: »Was ihre Auffassungsgabe und Interessen betrifft, erinnert sie mich sehr an unsere heutige Bundeskanzlerin«.
Dass Baerbock jede Regierungserfahrung fehle macht nach Meinung von Kaeser nichts. Das sei »kein entscheidender Faktor«. Denn, so Kaeser in Anlehnung an Nietzsche, aber im Kalenderblattjargon: »Für die Zukunft ist die Vergangenheit auch nicht immer hilfreich.«
Wenn Joe Kaeser jetzt noch Luisa Neubauer als Ministerin fürs Energetische und Digitale empfiehlt, nimmt die Regierung, die in Deutschland ab September Verantwortung tragen soll, langsam Kontur an. Denn frei wird Neubauer sicherlich sein, nachdem sie Joe Kaesers Angebot, im Aufsichtsrat von Siemens mitzumischen, ausschlug und ›Fridays for Future‹ für sie mangels Auslastung zum Nebenjob wurde.
Nur gut, dass Werner von (!) Siemens nicht mehr mit ansehen muss, was die Spitzen seines Unternehmens heutzutage verzapfen.


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