Kandidatin der Grünen bricht im Oderbruch ein

Annalena Baerbock kennt ihren eigenen Wahlbezirk nicht

Die Liste der Peinlichkeiten von Grünen-Chefin Baerbock wird immer länger. Reicht es schon für ein Buch? - Eine Glosse

Man könnte meinen, Annalena Baerbock zieht nach all den Peinlichkeiten und dem Absturz in den Umfragen die Mitleidskarte. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Kanzlerkandidatin der Grünen bei der erstbesten Gelegenheit gleich den nächsten Bock schießt? Diesmal hat sie nicht Kobold und Kobalt verwechselt, was man gutwillig als Versprecher durchgehen lassen könnte, sondern sie wußte nicht, wo sie gerade steht.

Dabei war der Anlass wichtig: Die Grünen-Chefin stellte zu Beginn ihrer großen Gegenoffensive das Klima-Programm der Grünen vor. Dazu begab sie sich mit Robert Habeck in ein Naturschutzgebiet, 1000 Hektar groß und im Biesenthaler Becken nördlich von Bernau bei Berlin gelegen. Perfekt für die Polit-Show der beiden: Ein Moor, das noch so genannt werden darf, und dazu Niedermoorwiesen, die Kohlendioxid binden.

Und dann – hätte sie doch bloß die Klappe gehalten – platzt es aus der im Buchenwald stehenden Annalena heraus: »Da ist der Wald hier im Oderbruch anders als der Wald im Süden des Landes.«

Merkt Baerbock noch immer nicht, dass jedes, aber auch jedes Wort von ihr von der Presse vermerkt wird ? Bereitet sie sich noch immer nicht ausreichend vor, wenn sie vor die Tür und vor die Presse tritt ? Weiß Baerbock nicht, wo sie gerade steht ? – Denn sie stand nicht im Oderbruch; das liegt circa 30 Kilometer weiter im Osten. Wer es kennt, wird es nicht mit dem Waldgebiet im Biesenthaler Becken verwechseln.

Aber Baerbock kennt das Oderbruch eben offenbar nicht. Für einen Politiker aus der chinesischen Provinz wäre das kein Problem. – Oder doch ? Die sind in solchen Dingen empfindlich. – Aber für Annelena Baerbock ist der Patzer gleich mehrfach peinlich. Sie zeigt sich einmal mehr unvorbereitet, liegt wieder falsch und dokumentiert, wie egal ihr Brandenburg ist – denn sie lebt seit Jahren in Brandenburg, ist dort sogar Spitzenkandidatin der Grünen und verdankt dem Bundesland ihren Einzug in den Bundestag als gut dotierte Abgeordnete mehr der Partei denn der Bürger.

Es ist nicht der erste geographische Bock, den Baerbock auf Brandenburg abschießt. In ihrem Buch ›Jetzt‹ heißt es auf Seite 92: »Als ich im Herbst 2020 zu Gast beim Triebwerksunternehmen MTU Aero Engines in Berlin-Ludwigsfelde war...« – nur dass Ludwigsfelde nicht in Berlin liegt, sondern in Baerbocks Wahlkreis 61. Einen Bock, den die taz fand. Und das ist nun wirklich kein Blatt einer kritischen Rechten.

Und so beginnt man, Mitleid mit der Grünen-Chefin zu haben. Und mehr noch mit ihrer Partei, die, soviel ist wohl sicher, die nächste Kanzlerin nicht stellen wird. Zumindest ein bisschen. Denn letzendlich haben sie es selber verbockt und zahlen selbst für die Politik: Quote statt Qualität ihren Preis.

Kleiner Trost für Frau Baerbock: Die Länge der Liste der veritablen Peinlichkeiten reicht bald für ein Buch. Titel: »Gestern. Wie ich immer älter aussah«. Ohne Plagiate. Nur originale, wenn auch nicht immer originelle Fehlleistungen, Versprecher und Unwissenheiten.

Sven von Storch

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