Bei seinen weiterhin regelmäßigen Auftritten in Talk-Shows hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach wieder das gemacht, was er glaubt, am besten zu können: Er warnte. Bezogen auf die für nach Mitte März langsam beginnende Aussetzung der Corona-Maßnahmen, erklärt der Minister gestern bei »Maischberger« dramatisch: »Die Welt wird auch nach dem 20. März nicht mehr die sein, die wir vor der Pandemie hatten« und warnte vor zu hohen Erwartungen der Bürger.
Und noch etwas teilte der Sozialdemokrat dem Publikum ganz offen mit: Von dem Begriff ›Freedom Day‹ halte er gar nichts. »Ich benutze diesen Begriff überhaupt nicht und finde auch nicht, dass er angemessen ist«. Das wird wohl kaum jemand bestreiten, dass Lauterbach von einem ›Tag der Freiheit‹ nichts hält. Seit zwei Jahren gehen dem »Angstminister« die Maßnahmen nie weit genug.
Gefragt, ob er, Lauterbach, nach zwei Jahren Pandemie erschöpft sei, antwortete der Angesprochene: »Nein!« – Die Nachfrage »Wovon auch?«, blieb leider aus. Statt dessen durfte der Minister behaupten: »Die Pandemie wird systematisch abgearbeitet«. Doch auch hier blieben Nachfragen aus.
Abgearbeitet hat Lauterbach in den vergangenen zwei Monaten praktisch nichts. Die Inzidenzen gingen trotz aller möglichen Maßnahmen durch die Decke; die Handhabung des Genesenenstatus wurde ans Robert-Koch-Institut abgegeben; PCR-Tests gibt es auch nicht mehr genug – und vor Gericht musste der Minister ein Desaster nach dem andren erleben. Zuletzt sprangen sogar die anderen Ministerpräsidenten parteiübergreifend vom Panikzug des SPD-Politikers ab.
So blieb dem Minister am Ende nur, in Juso-Manier auf die Springer-Presse zu schimpfen: »Für die ›Bild‹ bin ich der Panikminister.« – – »Nur für ›Bild‹??«, hätte Maischberger hier spöttisch nachfragen können. Wie zu erwarten, tat sie es nicht.
Update
Heute mal wieder auf der Arbeit, oder besser, auf einer Pressekonferenz, appelliert der Gesundheitsminister an die Ministerpräsidenten der Länder, »nicht über die beschlossenen Lockerungen hinauszugehen. Das ist das Maximum, was wir uns leisten können«. Weiter drückte der Minister seine Sorge um die Zukunft aus: »Wir sind noch nicht wirklich in sicheren Gewässern.«
Zur Begründung für diese neuerliche Vorsicht, verwies Lauterbach auf die neue Omikron-Variante BA.2, die nach jüngsten Forschungserkenntnissen nicht nur ansteckender sei – Warnsirene Drosten hatte von »mehr PS« unter der Haube gesprochen –, ihr Verlauf sei auch schwerer ist. Dann behauptete der SPD-Mann, in Deutschland gäbe es drei- bis viermal so viele Ungeimpfte in der Altersgruppe von über 60 Jahren wie in anderen europäischen Ländern. Zahlen hatte er keine.
In sicheren Gewässer fährt dagegen offenbar Tierarzt Dr. Lothar Wieler. Seine Abwesenheit auf der Pressekonferenz war von den anwesenden Journalisten natürlich sofort festgestellt worden und hatte Spekulationen ausgelöst, da neben Lauterbach Lars Schaade saß, der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, RKI. Doch Lauterbach gab Entwarnung: Der Chef des RKI sei aus »gesundheitlichen Gründen« verhindert. »Das möchte ich klarstellen«, betonte Lauterbach.


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