Vor einem Jahr flog Andrea Nahles in hohem Bogen von ihrem Spitzenposten bei den Sozialdemokraten. Nachdem die Partei in den Umfragen immer tiefer und tiefer gesackt war, gab die jetzt 49-Jährige den Vorsitz der SPD und ihr Bundestagsmandat ab und zog sich zurück ins Privatleben.
Doch jetzt steht für Nahles was neues in Aussicht: Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation. Die Anstalt klingt zwar nach Technik, hat aber wenig mit Technik zu tun. Als eine Nachfolgeeinrichtung der 1995 aufgelösten Deutschen Bundespost ist sie für die verbliebenen betrieblichen Sozialeinrichtungen der ehemaligen Bundesbehörde zuständig.
Unterstellt ist die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation dem Finanzministerium. Und das untersteht momentan dem Sozialdemokraten Olaf Scholz. Sein Ministerium wollte den Bericht über die neue Chefin der Behörde weder bestätigen noch dementieren; zu »Gerüchten über Personalangelegenheiten« äußere man sich nicht. Die Bundesanstalt selber erklärte, der Präsidentenposten würde vom Finanzminister besetzt.
Nach Auskunft von ›Bild‹ wird der neue Job der alten SPD-Vorsitzenden in der Besoldungsgruppe B6 mit einem Grundgehalt von 10,289,32 Euro vergütet. Weit fahren muss Nahles ebenfalls nicht. Anders als der Reichstag liegt der Sitz der Bundesanstalt in Bonn, also gleich um die Ecke ihres Wohnsitzes in der Eifel. Und sicherer als der Job bei den Sozialdemokraten ist die neue Anstellung allemal: Der Vertrag läuft erst in 5 Jahren aus. Mitgliederentscheide sind nicht bekannt.
Doch auch danach ergeht es Frau Nahles wahrscheinlich wie dem aktuellen Chef der Bundesanstalt, Andreas Hermes. Der hatte zwar vor seiner Zeit in Bonn keinen Parteivorsitz inne, diente aber bereits unter dem damaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble, CDU, als Unterabteilungsleiter im Bundesfinanzministerium und könnte daher nach seiner fünfjährigen Amtszeit zur Generalzolldirektion in Potsdam wechseln. Oder er kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück: Ins mittlerweile von Peter Altmaier, CDU, geführte Wirtschaftsministerium.
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