Eines muss man den afrikanischen Ländern lassen – trotz schwacher wirtschaftlicher Leistung, einer horrenden Überbevölkerung, zahlreicher Kriege und Bürgerkriege und regelmäßiger Hungersnöte, haben sie ihren Humor nicht verloren. Nachdem sie bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Jahre 2015 den Industrieländern das Versprechen abrangen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutzmaßnahmen zu zahlen, fordern sie auf der aktuell tagenden Weltklimakonferenz 1,3 Billionen Dollar pro Jahr – das dreizehnfache der vorherigen Summe.
Und das, obwohl die Industrieländer schon die 2015 versprochene Geldsumme niemals ausgezahlt haben. Bis Ende 2020 brachten es private und staatliche Geldgeber auf insgesamt 80 Milliarden Dollar – statt die anvisierte halbe Billionen. Verständlich, dass sich der Sprecher der Gruppe und Chefunterhändler Ahmadou Sebory Toure enttäuscht zeigt. »Eine solche Konferenz«, betonte er, »kann niemals erfolgreich sein, wenn sie keine finanzielle Klarheit schafft oder am Ende nur leere und ungenügende Ankündigungen enthält.«
1,3 Billionen Dollar pro Jahr entspricht etwa einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands und dem dreifachen der größten afrikanischen Volkswirtschaft, der von Nigeria. Mit anderen Worten: Auf jeden in Nigeria erwirtschafteten Dollar wollen die Afrikaner noch einmal drei Dollar legen lassen, für den in Europa, den USA und anderen Industrieländern, aber nicht in Afrika gearbeitet wurde.
Und wofür ? Mit welcher Begründung ? – Die Industrien der afrikanischen Länder sollen an den Klimawandel angepasst werden. Die Frage ist nur: Welche Industrien ?
Wohl in Erwartung genau dieser Fragen haben sich die afrikanischen Staaten bereits eine andere Strategie ausgedacht, um den Druck auf die Industrieländer zu erhöhen. Das Geld würde, so die Vertreter, nicht nur zur Transformation der Ökonomien gebraucht, sondern sei auch ein Schadenersatz für erlittene Verluste durch den Klimawandel.
Zur Finanzierung soll ein Fond ›losses and damages‹, Verluste und Schäden, aufgelegt werden. Doch kaum jemand weiß genau, was Verluste und Schäden denn so alles umfasst. Der deutsche Chefverhandler des Bundesentwicklungshilfe-Ministeriums, BMZ, zeigt sich besorgt. »Wir wissen nicht so richtig, was ‚loss and damage‘ eigentlich ist«, hieß es jetzt in Glasgow: »Wir tappen da noch ganz im Dunkeln.«
Bekanntlich ist im Dunkeln gut munkeln. Und das wichtigste Geberland hat bereits angebissen: Deutschland. Es stellt laut Welt jährlich 7,8 Milliarden Euro »für die internationale Klimafinanzierung« bereit. Kritik an der Höhe der Unterstützung wehrt der deutsche Delegationsleiter, Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, ein enger Vertrauter von Jürgen Trittin, als dieser Umweltminister war, mit dem Hinweis ab, Deutschland habe 30 Milliarden Euro für die Beseitigung der Flutschäden im Ahrtal aufgebracht. »Wir reden also über ganz andere Größenordnungen.«
Das nennt man doch mal eine Logik: Die Unterstützungsleistungen Deutschlands für Länder, die nicht für sich selbst sorgen können, werden an den eigenen Schäden bemessen.


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