Freie Welt - Buchvorstellung

Bill Gates träumt von Wellen und Höhepunkten

In »Wie wir die nächste Pandemie verhindern« beschreibt der Milliardär Bill Gates seine Vorstellungen zur nächsten Pandemie. Soviel ist sicher: Es wird gruselig.

Nach der Pandemie ist vor der Pandemie. So oder so ähnlich scheint es im Kopf von Bill Gates zu arbeiten. ›Wie wir die nächste Pandemie verhindern‹, heißt sei neuestes Buch. Im Vorgänger verhinderte der ehemalige Chef von Microsoft die Klimakatastrophe. Man merkt: Der Mann will verhindern.

Um zu verhindern, muss etwas drohen. »Es sind Varianten, Wellen und Impfdurchbrüche zu erwarten«, heißt es im ersten Kapitel ganz im Stil des aktuellen Gesundheitsministers. Da muss ein Macher wie Bill Gates etwas machen. Und natürlich beruft er sich auf die Wissenschaft. Die ist, falls sie gut ist, »unordentlich, ungewiss und ändert sich ständig«. Wer fühlt sich da nicht an Windows erinnert. Hier und dort eine neue Version. Und was hier das nächste Update ist, ist in der Pandemie die nächsten Untervariante. Über Nacht automatisch installiert, versteht sich.

Damit das nicht passiert, will Gates investieren. In Innovation. Doch bevor der Macher zum Geld kommt, wird er philanthropisch. Denn als ein solcher, als ein Menschenfreund, versteht sich Bill Gates, der mit Microsoft keinen Trick ausgespart hat, die Konkurrenz zu vernichten. Früher brachte er neue Software auf den Markt, heute die Mittel gegen die Pandemie in die Behörden.

Zunächst zeigt sich Gates also freundlich. »Den Menschen sofort beim Selbstschutz helfen«, titelt Kapitel 4, bevor die Feststellung kommt: »Für eine Weile war die Grippe fast völlig verschwunden«. Stimmt. Man muss nur nicht mehr danach fragen und alles unter Corona verbuchen. Wieso nicht auch Krebs. Dann ist auch der Krebs verschwunden. Wie einfach Wunderdoktor doch geht.

Dann kommt der ehemalige Programmierer, dessen Betriebssystem unter IT-Fachleuten einen eher schlechten Ruf genießt, auf den Punkt, um den es ihm geht: »Pandemieprävention planen und finanzieren«, »Neue Impfstoffe entwickeln und erproben« und natürlich, wie könnte es anders sein, »Vakzine kaufen«. Der Rubel muss rollen, falls Impfstoffe irgendwann wieder auch in Rubel bezahlt werden können. Bis dahin kostet das Buch schlappe 24 Euro. Geld, das man sich sparen kann.

Denn außer kalten Kaffee – oder sollte ich sagen: Abgelaufenen Impfstoff aus dem Hause Lauterbach? – bietet das Buch nichts, was lesenswert ist. Gates schwadroniert von »besseren Tools« und natürlich will er die »Krankheitsüberwachung verbessern«.

Und doch verrät das Buch dem aufmerksamen Leser auch etwas: Die Mentalität von Figuren wie Karl Lauterbach, Christian Drosten oder eben Bill Gates. Sie sind zwar nicht von einer Krankheit wie Corona befallen. Aber ansteckende Krankheiten, die sind ihr Ding. Gates spricht ausdrücklich von einer »Art Obsession«.

Diese Besessenheit unterscheidet ihn und seine Kollegen, die von der gleichen Obsession befallen sind, vom normalen Menschen. »Ich musste lernen«, gesteht Gates in der Einleitung, »auf Partys meine Begeisterung für Gespräche über AIDS-Therapien und Malaria-Impfstoffe zu zügeln.« Denn die Gesunden teilen seine »Leidenschaft für dieses Thema« nicht. Und wenn sie krank werden, wollen sie unbedingt wieder genesen.

Gesunde, Genesene – sie machen einen Bogen um Pandemien. Bill Gates kann unter dem Vorwand, sie zu verhindern, nicht genug von ihnen bekommen. Kein Wunder, dass mir im Schlusskapitel des Buches, in dem Gates sich ausmalt, »Wie Corona unsere digitale Zukunft prägt«, ein alter Witz unter IT-Fachleuten wieder einfiel: Windows hat keine Computer-Viren, es ist das Computer-Virus.

Sven von Storch

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