Mit zwei neuen verbalen Attacken gegen ostdeutsche Städte und Länder, haben Westdeutsche für Aufregung in den sozialen Netzwerken gesorgt. Diese Angriffe sind nicht neu und ihre Art und Weise ist ähnlich.
Im ersten Fall beschäftigte sich der westdeutsche Komödiant Jan Böhmermann mit den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg, speziell mit den Erfolgen der Alternative für Deutschland. Die passen ihm offenbar nicht. Also wählte er ein ganz besonderes Bild, um seinem Ekel vor der Wahlentscheidung vieler Ostdeutscher Ausdruck zu geben.
Böhmermann griff ein Thema auf, dass in Sachsen und insbesondere Dresden mit vielen Erinnerungen besetzt ist: Den Luftangriff vom 13.Februar 1945. Im Feuersturm wurden damals in wenigen Stunden etwa 25,000 Menschen getötet. Dresden war nicht mehr Dresden.
In seiner Sendung über den Wahlerfolg der AfD resümiert der Komiker: "Das einzige, was dieses Bundesland noch retten kann, ist eine Koalition aus RAF und Royal Air Force." Ein mehr oder weniger einfallsreiches Wortspiel mit der Abkürzung RAF - einmal steht sie für die faschistische Terrorbande der Studentenbewegung, die Rote Armee Fraktion, zum anderen ist sie bis heute das Kürzel für die Königliche Luftwaffe der Briten.
Allein die Vorstellung, man könne Sachsen durch einen erneuten Einsatz britischer Bomber retten, macht diesen Mann ohne alle Frage moralisch untragbar. Und doch sollten gerade die Ostdeutschen ihre Wut über dieses schäbige Bild etwas zügeln. Denn hier beweist ein Westdeutscher nicht nur, wessen Geistes Kind er ist, sondern er lässt tief blicken in das Seelenleben westdeutscher Bürger.
In Böhmermanns geistigen Innenleben rangieren die Feiglinge der roten Terrorbande auf einer Stufe mit den Piloten der Bomber, die über Deutschland im Kampf gegen Hitler ihr Leben riskierten - eine Gleichstellung, die ebenso verwerflich ist wie die Idee, Sachsen mit Hilfe neuer Luftangriffe zu retten. In ähnlicher Weise hatte sich schon einmal ein heutiges Mitglied der Linken geäußert - oder besser präsentiert. Barbrüstig bat Anne Helm Sir Arthur Harris für die Luftangriffe gedankt.
Soviel ist sicher: Der Chef des Bomber Command hätte sich angewidert abgewendet von diesen Figuren aus dem Reich niederer dämonischer Komik. Er führte Krieg. Und er wollte ihn mit allen Mitteln gewinnen. Und genau deshalb hängen sich Westdeutsche an dieses Bild. Auch sie wollen endlich einmal gewinnen.
Dafür schlüpfen sie in ihren Traumtänzereien in die Rolle der ehemaligen Sieger. Sie sehen sich als Piloten, die jeden Ort Ostdeutschlands, in dem die AfD mehr Stimmen erreicht als die Sozialdemokraten - und das sind verdammt viele - mit Bomben bepflastern. Oder sie schicken die RAF.
Denn das ist das Schicksal der Wessis. Es ging ihnen schon bald wesentlich besser als den Brüdern und Schwestern im Osten. Aber sie gingen noch nie als Sieger vom historischen Feld. Immer wurden sie nur von dem Amis gepampert. Sie waren die Siegermacht, an der sie sich orientierten.
Deshalb wurde in der anderen verbalen Attacke gegen die Ostdeutschen zur amerikanischen Waffentechnik gegriffen. Nach einem bemühten Vergleich der Sachsen mit Avocados, empfiehlt eine Komödiantin im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, man könne die Sachsen "aus Flugzeugen mit Napalm besprühen". Die Anspielung an Vietnam ist gewollt. Und jeder merkt: Wie gern würde diese andere Figur aus dem Reich niederer dämonischer Komik eine B-52 gen Chemnitz lenken. Auch sie liebt den Geruch von Napalm am Morgen. Denn es riecht nach Sieg.
Dieses Gefühl des Sieges haben die Ostdeutschen den Westdeutschen auf ewig voraus. Sie mussten zwar Russen und Sozialismus erleiden. Aber sie haben - zunächst vergeblich - aufbegehrt und zusammen mit den anderen Mittel- und Osteuropäern den Sozialismus schließlich besiegt. Mit gutem Grund macht das stolz. Und mit jedem Recht wählt man dann, was man will.


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