Gedenkfeiern zum D-Day-Jubiläum in Frankreich

Trump landet in der Normandie

Vor 75 Jahren, am 6.Juni 1944, landeten die westlichen Alliierten in der Normandie. Aus diesem Anlass finden heute im damaligen Landungsbereich Gedenkfeiern statt. Sie hatten gestern in Portsmouth, dem wichtigsten Hafen der alliierten Landungsverbände, begonnen.

Zu dem Gedenken an die Landung in der Normandie vor 75 Jahren trifft sich die westliche Polit-Prominenz; auch jene, die sich sonst nach Möglichkeit meidet. So fand US-Präsident Donald Trump in Portsmouth etwas Zeit für Kanzlerin Merkel. Noch vor einer Woche, als Merkel in Harvard eine Ehrendoktorwürde in Empfang nahm, fand kein Treffen statt. Was auch nicht wundert, positionierte sie sich in ihrer Dankesrede indirekt gegen den US-Präsidenten und predigte Freiheit, Demokratie, Frieden und Wohlstand. Eine Schelte, die im links-liberalen Harvard gut ankam. 10 Minuten haben Trump und Merkel miteinander geredet; andere sagen, es wären 20 Minuten gewesen. Es ging, laut Zeit, um die EU nach den EU-Wahlen und die Lage in Afrika.

Heute, in Frankreich, 75 Jahre nachdem die Westalliierten Freiheit und Demokratie nach Europa brachten, wird es kein weiteres Treffen geben. Merkel nimmt, wie Putin, an der Zeremonie nicht Teil. Der russische Präsident erklärte, man sollte die Landung in der Normandie nicht überbewerten. »Der Beitrag der Alliierten am Sieg über das Dritte Reich ist eindeutig«; doch »ohne die gewaltigen Anstrengungen der Sowjetunion" hätte es "den Sieg nicht gegeben" ließ Moskau verlauten. Eine Behauptung, die man nicht überprüfen, mit der man aber Politik machen kann. Ob Trump sich mit einem Tweet, der auf die Unterstützung Hitlers durch die Sowjetunion hinweist, beim russischen Präsidenten revanchiert?

Die zentrale Veranstaltung findet auf dem US-Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer statt. Dort treffen Trump und der französische Staatspräsident Macron zusammen. Man darf gespannt sein, ob der US-Präsident auf dem Rückflug nach Washington wieder zu so deutlichen Worten findet, wie vor einem Jahr. Damals erinnerte er die Franzosen daran, wer sie befreit hat. »Sie fingen schon an, Deutsch zu lernen, bevor die USA kamen«, schrieb er spöttisch in einem Tweet.

Ebenso gespannt darf man sein, ob sich in der Normandie, so wie in den letzten Tagen in England, wieder Demonstranten einfinden, die gegen Trump protestieren. Hoffen wir es. Denn ein US-Präsident, dessen Landung in der Normandie tausende linke Demonstranten verhindern wollen, ergibt einen schönen Hinweis in die Geschichte.

Wie in jedem Jahr bleibt das Gedenken an die Landung der Alliierten also politisch aufgeladen und brisant. Darüber geraten die Armeen der sechs Nationen aus dem Blickfeld, die damals in der Normandie kämpften und starben: Amerikaner, Kanadier, Briten, Deutsche, Franzosen und Polen - ja, es waren auch polnische Truppen beteiligt. Sie werden mitunter vergessen.

Sven von Storch

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