Axel Krause ist ein international bekannter Künstler. Er lebt in Leipzig und wird zur Neuen Leipziger Schule gezählt. Im August letzten Jahres ging die Causa Krause durch die Presse: Eine Leipziger Galerie hatte sich von dem Künstler getrennt, weil er die Flüchtlingspolitik auf seinem Facebook-Profil als »illegale Masseneinwanderung« bezeichnet hatte. Die Galerie wolle Axel Krauses politische Ansichten weder teilen, noch mittragen. "Und das macht man im Prinzip, wenn man ihm eine Präsentierfläche gibt", erklärte der Galerist, ohne erklären zu können, was die ausgestellten Bilder mit den freigeschalteten facebook-Postings verbindet.
Als Axel Krause in diesem Jahr zur 26. Leipziger Jahresausstellung eingeladen wird, protestiert laut Süddeutscher Zeitung ein Künstler und stellt seine Absage öffentlichwirksam ins Netz. Was folgt ist eine Posse: Am 31. Mai sieht der Verein Leipziger Jahresausstellung seine Einladung an Axel Krause zurück; einen Tag später tritt der Vorstand geschlossen zurück und sagt die Ausstellung vollständig ab; und am 6. Juni gibt der Verein unter dem neuen Vorstand in einer Erklärung bekannt, dass die Jahresausstellung nun doch stattfinden würde - allerdings ohne Werke von Axel Krause.
Die Reaktionen der Künstler sind gemischt. Während die einen kein Problem haben, zusammen mit Axel Krause auszustellen, scheint der Künstler für andere Kunst darzubieten, neben der sie ihre Werke nicht aufgehängt sehen wollen. Doch viele - und das scheint eine deutliche, wenn auch schweigende Mehrheit zu sein – viele sehen die Ausladung sehr kontrovers. »Das hätte ein extrem spannender, fruchtbarer Umgang mit der Situation werden können", sagt eine enttäuschte Galeristin der Zeit.
In seiner Begründung der Absage schreibt der Verein, er verfolge stets das Ziel »Schaden von beteiligten Personen und Organisationen sowie dem Verein abzuwenden.« Die Sorge des Veranstalters der Ausstellung vor möglichweise gewalttätigen Auseinandersetzungen sorgte also dafür, dass Bilder eines bestimmten Kreisen nicht genehmen Künstlers nicht gezeigt werden können.
Begleitend werden öffentlich die passenden Sterotypen bedient. In einer gehässigen Bemerkung heißt es in der Südeutschen Zeitung »ironischerweise hat erst diese Trennung dem Künstler die ersehnte Aufmerksamkeit und Ausstellungseinladungen beschert«. Hier soll wohl das Bild vom nicht an der wahren Kunst, sondern nur an Aufmerksamheit und Geld interessierten Künstler entstehen - eine Stereotype für Bohemien und Juden aus Nazizeit und Stalinismus.
Deutschland beweist im Frühling 2019 wieder einmal seine »Unfähigkeit zur Freiheit«, wie die Neue Züricher Zeitung gestern schrieb. Es ist wieder da, wo es in sozialistischen Zeiten schon zweimal war. Es gibt eine richtige Kunst, die der Ideologie des Staates entspricht. Und es gibt eine politisch entartete Kunst, die nicht gezeigt werden darf.
Gestern hat die 26. Leipziger Jahresausstellung mit den politisch genehmen Künstlern begonnen.


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