Seit 15 Jahren vergibt der Hamburger Landesverband des Vereins Deutscher Sprache, VDS, alljährlich einen Preis: Den Elbschwanenorden. Ein kleiner gläserner Schwan mit silbernen Verzierungen. In diesem Jahr sollte die Ehrung an die Kinderbuchautorin Kirsten Boie verliehen werden. Sie habe sich »um die Pflege und Förderung der deutschen Sprache besonders verdient gemacht«, sagt der Verein.
Doch die Autorin von über 100 Büchern, die sie gleichsam wie am Fließband geschrieben hat – darunter so illustre Titel wie ›Juli, der Finder‹, ›Juli tut Gutes‹, ›Juli und das Monster‹, ›Juli wird erster‹, ›Juli und die Liebe‹ – die Autorin lehnt den Preis ab.
Der Grund: Der VDS-Bundesvorsitzende Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik und Autor zahlreicher Lehrbücher über Statistik und einem breiteren Publikum bekannt geworden durch den Titel ›So lügt man mit Statistik‹ hat sich, so meint jedenfalls Boie laut Berliner Tagesspiegel, rechtspopulistisch geäußert.
In einem der Deutschen Presseagentur vorliegenden Absagebrief liefert die die Autorin einige Zitate als Beleg. So habe Krämer von »Lügenmedien«, vom »aktuellen Meinungsterror unserer weitgehend linksgestrickten Lügenpresse« und von der »Überfremdung der deutschen Sprache« gesprochen – und, last but not the least, vom »Genderwahn«.
Ergänzend fügt Boie hinzu: »Aber mehr noch als die verkürzte und realitätsfremde Vorstellung von Sprache, die sich in vielen Äußerungen zeigt, erschreckt mich, wie genau sie sich ausgerechnet in einer Zeit, in der wir mit Sorge einen Rechtsruck in Teilen der Bevölkerung beobachten müssen, in deren Argumentationsgänge einfügt«. – Eine Kinderbuchautorin gibt sich also politisch. Man könnte auch sagen: Sie äußert sich linkspopulistisch.
Das ist bei der 1952 geborenen Dame nichts Neues. 2015, mitten hinein in die Wochen, als Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ, veröffentlichte Kirsten Boie das Buch »Bestimmt wird alles gut«, eine fiktive, rührselige Schnulze über ein Kind, das aus Syrien flüchtet – auf deutsch und arabisch.
So verdient halt jeder auf seine Art an den Kriegen der Welt.
Für die Isolation durch den Merkel-Lockdown empfiehlt die offenbar geschäftstüchtige Autorin Kindern übrigens, mehr zu lesen. Was, das kann man sich denken. Falls das Alte nicht reicht wären Titel wie: ›Lockdown tut Gutes‹, ›Lockdown und das Monster‹, ›Lockdown wird erster‹, ›Lockdown und die Liebe‹ eine Option.
Und so schafft sich Kirsten Boie einen pekuniären Ersatz für den Nobelpreis, den Kinderbuchautoren, egal wie linkspopulistisch sie sind, nach den Statuten des Nobelkomitees nicht erhalten.


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