»Die allgemeine Impfpflicht ist totaler Unsinn«

Kekule_ Halbierung des Genesenenstatus völlig inakzeptabel

Mit klugen Argumenten zerlegt der Virologe Alexander Kekulé die aktuelle Politik des Gesundheitsministers und des Robert-Koch-Instituts.

Der Virologe Alexander Kekulé gehört in der Corona-Pandemie sicher zu den gefragtesten und zugleich anerkanntesten Wissenschaftlern in Deutschland. Denn anders als das Panik-Orchester aus dem Robert-Koch-Institut und von Influencern wie Christian Drosten, sind die Aussagen Kekulés abgewogen, kritisch und immer wissenschaftlich begründet.

In einem Interview mit web.de zeigt sich diese sachliche Haltung gleich zu Beginn, als der Virologe auf die Frage »Beendet Omikron die Pandemie und ermöglicht uns bald eine Rückkehr in ein normales Leben?« antwortet: »Es ist gut möglich, dass Omikron die letzte schwere Welle in dieser Pandemie ist und dazu beiträgt, dass die Bevölkerung in Deutschland weitgehend immunisiert wird« – ausdrücklich heißt es also »immunisiert« und nicht, wie bei den anderen Experten im Dunstkreis von Minister Lauterbach »geimpft«.

Nachdem Kekulé die Maßnahmen der Regierung – man weiß nicht genau, ob brav oder überzeugt – gelobt hat, kommt er schnell zur Sache und geht Maßnahmen der Regierung direkt an, indem er warnt, wir müssten aufpassen, »dass unsere Gegenmaßnahmen am Ende nicht mehr Schaden anrichten als das Virus selbst.« Dabei wirft er, ohne Namen zu nennen, den Verantwortlichen vor, durch ihre seit zwei Jahren herrschende Panikmache die Lage in den Krankenhäusern deutlich zu verschärfen. Mit einer Omikron-Infektion – in den allermeisten Fällen eine harmlose Krankheit –, stürmen die Infizierten trotzdem die Notfallstationen.

Drastische Worte findet Alexander Kekulé für die geplante Impflicht und den Umgang mit den von einer Infektion genesenen. »Die allgemeine Impfpflicht ist totaler Unsinn«. Der Satz braucht keinen Kommentar.

Eine Schlüsselfrage, die zu beantworten, Gesundheitsminister Lauterbach sorgsam vermeidet, lautet dann gegen Schluss des Gesprächs: »Wann bin ich eigentlich am besten vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt: als Genesener, als doppelt Geimpfter oder als Geboosterter?« Denn was könnte wichtiger sein, als die Antwort auf die Frage: Wann bin ich am besten geschützt? – Die Antwort sollte sich der Gesundheitsminister hinter die Ohren schreiben oder noch besser: Sie sollte den Richtern mitgeteilt werden, die über die Klagen gegen die Willkürmaßnahmen der Regierung entscheiden.

»Den besten denkbaren Schutz«, sagt der Virologe Alexander Kekulé klipp und klar, »hat jemand, der von COVID genesen ist und danach - mit Abstand von vier Monaten oder mehr - noch eine Impfung erhalten hat. Der Fachausdruck dafür lautet ›Superimmunität‹.« Und weiter: »Danach kommen die von Delta Genesenen, die werden bei Omikron keine schweren Verläufe haben, selbst wenn sie schon etwas älter sind.« Erst auf Platz 3 folgen »Menschen, die innerhalb der letzten sechs Monate doppelt geimpft wurden oder geboostert sind«.

Trotzdem bewertet Alexander Kekulé die Verkürzung des Genesenenstatus differenziert – und eben das macht ihn zum Experten. »Rein wissenschaftlich ist das nicht unbegründet«, sagt er, um dann zu betonen: »Es ist gegen jede wissenschaftliche Logik, den Genesenenstatus auf drei Monate zu verkürzen und auf der anderen Seite den Impfstatus bei neun Monaten anzusetzen. Die aktuellen Impfstoffe sind ja auch auf die Wuhan-Variante abgestimmt, als aktuell Genesener haben Sie also einen besseren Schutz gegen Omikron. Aus wissenschaftlicher Sicht hätte man also eher den Impfstatus verkürzen müssen.« »Wenn schon, dann hätte man sowohl den Genesenen- als auch den Impfstatus verkürzen müssen.«

Die richtigen Schlüsse aus dem vorhandenen Wissen zu ziehen, das nennt sich Wissenschaft. Und daher kann der Virologe begründet sagen, dass »Maßnahme des RKI«, also die Halbierung des Genesenenstatus, »völlig inakzeptabel ist«.

Bliebe die Frage, warum das RKI so entschied? – »Aus politischer Intention, um noch mehr Leute dazu zu motivieren, sich impfen zu lassen.« Und urteilt Kekulé gelassen, wenn er ergänzt: »Grundsätzlich kann ich den Frust der Behörden darüber verstehen, dass sich in Deutschland zu wenig Erwachsene impfen lassen wollen.« Und doch fällt er schließlich das schlimmste Verdammungsurteil über die Wissenschaftler vom RKI, wenn er sagt: »Aber das darf nicht dazu verleiten, als Wissenschaftler die Fakten zu verdrehen.«

Sven von Storch

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