Die Burger-Kette McDonald hat sich mit der Antwort auf die Anfrage einer Kundin in die Nesseln gesetzt. Sie hatte bei der Fast-Food-Kette angefragt, ob das Fleisch der Burger nach islamischer Sitte behandelt würde, also halal wäre.
Gewohnt, auf Anfragen zur Toleranz stolz auf die eigene Anpassungsbereitschaft zu verweisen, hatte McDonald der Kundin mitgeteilt: "All unsere Restaurants haben das Halal-Gütesiegel. Frag jeden Filialleiter, er kann es dir zeigen." Allerdings reagierte die indische Öffentlichkeit nicht so, wie McDonald das vom europäischen und amerikanischen Markt her bekannt ist. Der Hinweis wurde von vielen Indern als beleidigend interpretiert.
"Wenn das so weitergeht,", schrieb eine Kunden laut NZZ, "leben wir bald in einem Kalifat!". Die Rücksichtnahme auf moslemische Befindlichkeiten gilt in Indien als Zeichen der Unterwerfung. Mit seiner Antwort hat der Großkonzern eine Lawine losgetreten. Es hagelte Boykottaufrufe. Kunden drohten, keinen Fuß mehr in einen der Läden zu setzen. Es wurde ein Hashtag #BoycottMcDonalds initiiiert, berichtet Al Jazeera.
Da Moslems in Indien etwa 15 Prozent der Bevölkerung stellen, steht McDonald vor einer schwierigen Wahl. Passt es sich den moslemischen Gewohnheiten an, verliert es womöglich einen Großteil seiner Kunden auf dem zukunftsträchtigen Markt. Auf der anderen Seite fehlt in Indien eine Phalanx von Politikern und Aktivisten, die ihre politische Daseinsberechtigung damit verdienen, der eigenen Bevölkerung ihr Selbstbewusstsein auszutreiben. Bisher stellte McDonald seine Geschäftsinteressen oben an: Das fleischlastige Angebot wurde an die in Indien hohe Nachfrage nach vegetarischen Produkten angepasst; es wurde Büffelfleisch an Stelle von Rindfleisch verarbeitet.
Das muss McDonald noch lernen: Es gibt Länder, die haben sich der globalisierenden, kapitalorientierten, moslemfreundlichen Egalisierung nicht unterworfen und werden es wohl auch nicht tun.


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