Wie hoch liegt die Impfquote in Deutschland wirklich?

Impfquote liegt in Deutschland womöglich bei unter 22 Prozent

Seit Wochen wird suggeriert, in Deutschland bewege sich die Impfquote auf die 70 Prozent-Marke zu. Das ist fast sicher falsch.

Nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts, RKI, liegt die Impfquote in Deutschland aktuell bei etwas über 65 Prozent. Eine Zahl, wie sie auch die Medien ausführlich verbreiten. Sie meinen damit Personen, die nach Angaben des RKI »vollständig geimpft« sind, also irgendwann seit dem Beginn der Impfkampagne vor bald einem Jahr, am 27.Dezember 2020, eine erste und eine zweite Dosis Impfstoff erhielten. In absoluten Werte: 54.476.052 Bürger des Landes sollen geschützt sein; Stand 15. Dezember 2021. Und das sind 65,5 Prozent.

Berechnet und herausgegeben werden diese Werte von den Fachleuten um und unter Tierarzt Dr. Wieler, dem Leiter des RKI. Und die Medien posausen herum: »In Deutschland sind mittlerweile rund 73 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft.« Was für sich genommen nicht einmal falsch ist. Nur sagt der Wert eben nichts über das, was er eigentlich aussagen soll: Nämlich über den Infektionsschutz der Bevölkerung Deutschlands.

Um den Grad des Schutzes zu errechnen, reicht es eben nicht, die Zahl der verspritzten Impfungen einfach mal aufzusummieren. Das genügt allenfalls, um die Rechnungen von Biontech und Co zu begleichen. Was wirklich bestimmt werden müsste ist, wer zur Zeit noch einen Impfschutz genießt und wer nicht.

Das zu errechnen ist nicht ganz leicht, denn wie immer erheben die deutschen verantwortlichen Behörden nicht die wirklich wichtigen Daten. Eher verfälschen sie sie, wie in Bayern und Hamburg, wo Getestete, deren Impfstatus unbekannt ist, als ungeimpft gelten.

Die wirklichen Fachleute halten sich klugerweise zurück mit Aussagen, wie lange der Impfstoff wirkt. Und die Industrie? Der Chef von Biontech legt einen Wert von 3 Monaten nahe. Und der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen hat nun Impfungen im Abstand von vier Wochen freigegeben; vorher war ein Abstand fünf Monaten Pflicht. Zwischen einem halben Jahr und einigen Wochen scheint alles möglich.

Da fragt es sich, wie viele der Geimpften denn überhaupt noch einen gewissen Impfschutz genießen und weniger bis vielleicht überhaupt nicht ansteckend sind? Eine im Grunde einfache Rechnung. Sollte der Impfstoff nach 6 Monaten seine Wirkung verlieren, gilt es, da eine einzige Impfung nicht zählt, alle Zweitimpfungen zu summieren, die im letzten halben Jahr gemacht worden sind. Alles was in den Tagen davor verspritzt worden ist, zählt nicht, es sei denn, jemand hat einen der sogenannten Booster erhalten. Also werden auch die Boosterimpfungen auf diese Weise summiert. Zusammen ergibt sich eine effektive Impfquote für Deutschland und nicht die Zahlensuppe des RKI.

Legt man auf die vom RKI gelieferten Werte, Stichtag 14. Dezember, eine Wirkungszeit des Impfstoffs von 6 Monaten an, ergeben sich tatsächlich 63 Prozent. Das sind zwar nicht 70 Prozent. Aber es klingt noch ganz gut. Bereits ein Absenken der möglichen Wirkungszeit um 30 Tage auf 5 Monate bzw. 150 Tage senkt den Wert auf 47 Prozent. Ein weiterer Monate weniger macht daraus nur noch 36 Prozent.

Und was, wenn die Wirkung des Impfstoffs bereits nach 3 Monaten nachlässst, was der Biontech-Chef mit seiner Empfehlung nach dieser Zeit die nächste Spritze zu setzen, nahelegt? – Dann sinkt die Zahl effektiv Geimpfter in Deutschland auf 26.402.548 Personen, bzw. auf einen Anteil von 32 Prozent.

Verkürzt man den Zeitraum schließlich auf die vier Wochen, die das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen sicher nicht grundlos ermöglicht hat, dann sinkt der Anteil der Geschützten noch einmal auf schlappe 22 Prozent. Und dabei sind jene doppelt gezählt, die ihre Booster-Impfung in den letzten vier Wochen erhielten. Tatsächlich liegt die Zahl also noch etwas darunter.

Im Extremfall, der in Nordrhein-Westfalen aber gerade als Wirklichkeit anerkannt wurde, bewegen sich in Deutschland 30 Prozent Ungeimpfte achtsam durch die Öffentlichkeit, während 20 Prozent effektiv Geimpfte im Schutz machen, was sie wollen und weitere 50 Prozent es im Glauben an einen vorhandenen Schutz es ihnen gleich tun. Und schon werden die hohen Inzidenzen erklärbar.

Abschließend ein Hinweis für die Fakten-Checker: Die Nachkommastellen fehlen, weil sie bei der Impfquote einer Bevölkerung und im übrigen auch bei der Sieben-Tage-Inzidenz nur ein weiterer Hinweis für die betrügerische Dummheit der verantwortlichen Behörden ist.

Sven von Storch

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