Nach der sogenannte ›Regenbogen-Debatte‹:

Die Politisierung des Sports muss ein Ende haben!

Eine Woche lang wurde versucht, den Sport politischen Interessen unterzuordnen. Dieses Spiel muss schnellstens vorbei sein. – Ein Kommentar

Seit der Olympiade 1936 im National-Sozialistischen Deutschland gehört der Sport zur Propaganda totalitärer Staaten. In der Sowjetunion waren Staatssportler ebenso Teil des Systems wie in der DDR und heute in China. Berüchtigt und einigen noch in Erinnerung sind die angeblichen Amateure, deren Gehälter in den meisten Fällen aus dem Militärhaushalt stammten, was ja auch im gewissen Sinn konsequent war. Nur waren es eben keine Amateure, sondern eher Soldaten.

Mit der sogenannten Regenbogen-Debatte der vergangenen Tage kommt allerdings eine völlig neue Dimension der Politisierung ins Spiel.

Zwar bezeugten auch schon früher einzelne Sportler ihre Sympathie etwa zur rassistischen Black Panther Bewegung, indem sie beim Abspielen der US-Nationalhymne ihre Fäuste ausgestreckten und dafür völlig zu recht vom Platz gestellt wurden – aber noch nie hat sich der Ausrichter einer Sportveranstaltung erdreistet, eine Sportstätte offen für seine politische Propaganda nutzen zu wollen; so geschehen bekanntlich in München, dessen Stadtparlament mehrheitlich forderte, die Allianz-Arena aus Protest gegen ein in Ungarn vom Parlament mehrheitlich beschlossenes Gesetz zum Schutz von Kindern vor Pornographie in den Farben des Regenbogens erleuchten zu lassen.

Und es sollte noch schlimmer kommen.

Nachdem die Uefa entsprechend ihrer Statuten klar gemacht hatte, dass sie eine Politisierung der Europameisterschaft nicht hinnehmen will, gossen zunächst die Bundesregierung und dann die EU Öl ins Feuer. Sie suggerierten, wohl wissend, dass die Politisierung Sports nicht erlaubt ist, es ginge allein um Toleranz – und die stünde als Selbstwert gleichsam über jeder politischen Meinung.

Damit hatte die Regenbogendebatte den Rahmen der schon an sich nicht erlaubten Politisierung des Sports gesprengt und wurde von deutschen Politikern zum Mittel zur zwischenstaatlichen Konfrontation pervertiert. Nicht einmal die schlimmsten totalitären Staaten waren so weit gegangen. Zähneknirschend hatte sich das Regime der National-Sozialisten, zumindest während der Spiele 1936, Aggressionen gegen potentielle Gegner, von Staaten erst gar nicht zu reden, verkniffen.

Nicht so die Vorsitzende der EU-Kommission, Ursula von der Leyen. Sie drosch zusammen mit ihrer ehemaligen Küchenkabinettschefin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, neuerlich auf den Ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán ein, als gelte es, in Sowjetmanier Budapest möglichst bald zu erobern. Mit anderen Worten: Der Bolzplatz wurde zum Kriegsschauplatz umgewidmet. Man musste froh sein, dass die Bundeswehr beim momentanen Zustand bestenfalls in Mali gegen schlecht bewaffnete schwarze Milizen leidlich erfolgreich Krieg führen kann.

Ein tolerantes Deutschland kämpft gegen ein totalitäres Ungarn – so das Bild der Propaganda; ein Bild, wie es grotesker schwer denkbar ist, symbolisiert in den Fahnen der Kontrahenten. Hier eine Regenbogenfahne, die am Spieltag im Stadion in einigen Fällen das Schwarz-Rot-Gold der Deutschen Fahne durch ein gleichsam als Lockmittel eingesetztes Farbschema aus dem Kindermalkasten ersetzte – dort das Rot-Weiß-Grün eines Landes, das weit unterlegen gegen den kommunistischen Faschismus 1956 im blutig niedergeschlagenen Aufstand seine Ehre bewahrte. Hier die Fahne des Terrors der Intimität – dort die Fahne des 1989 letztendlich siegreichen Widerstands gegen den Terror des Sozialismus.

Genaugenommen müsste die Uefa so reagieren, wie sie auch bei den Schwarzen US-Sportlern reagierte, die nicht einsehen wollten, dass für ihre Gesinnung auf dem Siegertreppchen kein Platz ist: Sie müsste die Deutsche Mannschaft, entweder in Teilen oder als Ganzes, disqualifizieren. Das wird sie natürlich nicht machen. Wer Spiele nach Baku vergibt, hat auch kein Problem mit Polit-Propaganda in München, es sei denn, die treibt es deutlich zu weit.

Dann müssen Sportler, dann müssen Nationen also jeden politischen Rahmen des Gastgebers schweigend erdulden ? – Nein, das müssen sie nicht. Sie haben immer die Möglichkeit, aus Protest zu Hause zu bleiben oder nach Hause zu fahren. Aber das wollen sie nicht. So wichtig sind den Recken der deutschen Auswahl die vermeintlichen Rechte der LGBT-Minderheit nun auch wieder nicht. Und so haben die deutschen Vertreter weder das letzte Gruppenspiel boykottiert noch gekniet. Statt dessen standen sie kurz davor, sich bis auf ihr regennasses Hemd zu blamieren. Jenes Hemd, dessen Farbgebung den Gastgebern der Olympiade von 1936 sicherlich zugesagt hätte: Die Mannschaft spielte in Schwarz. Der Farbe der SS.

Schon blöd, wenn die Zeichensetzer die Zeichen, die sie setzen, nicht kennen.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.