Eine neue deutsche Mahnmaldebatte

Braucht Berlin ein _Polen-Museum__

Deutschland droht eine neue Denkmal-Debatte. Diesmal ist Polen das Opfer der deutschen Erinnerungskultur.

Deutschland droht nach dem Jahrestag des Warschauer Aufstands am 1.August eine neue Denkmal-Debatte. Diesmal ist der östliche Nachbar Polen das Opfer der deutschen Erinnerungskultur.

Pünktlich zum Jahrestag des Aufstands der Polnischen Heimatarmee am 1.August 1944, begann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Debatte um eine Stele, die am Askanischen Platz in Berlin an die Opfer der deutschen Besatzung Polen gedacht werden soll.

Im Anschluss an diesen Vorschlag wird jetzt wiederum in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diskutiert, ob nicht statt einer Stele ein "Polen-Museum" der richtig Weg ist, an die Opfer zu erinnern. Denn "Erinnerung und Gedenken können nur dann gelingen, wenn sie auf einer soliden Wissensgrundlage stehen, aus der dann Respekt erwächst", schreibt Stephan Lehnstaedt, Professor für Holocaust-Studien am Touro College Berlin.

Der Vorschlag soll eine Debatte einleiten, eine Debatte wie beim Holocaust-Mahnmal. So gesehen steht der Sinn des Vorschlags nicht unbedingt im Vordergrund. Doch nur um diesen soll es hier gehen.

Schon der Titel "Polen-Museum" verrät eine Haltung, wie sie typisch ist für die sogenannte Kultur des Erinnerns. Ein Museum eröffnet, wer etwas festhalten will - typischerweise Gegenstände einer Kultur. Sie werden in einer bestimmten Weise zusammengestellt und zugleich zementiert.

Was in diesem "Polen-Museum" zementiert werden soll, verrät der Autor ohne den geringsten Anflug von Scham: Das Museum ist gedacht als "Museum der deutschen Verbrechen". Ein Titel, der einem den Atem verschlägt. Er will suggerieren, deutsche Verbrechen seien gleichsam ein Teil der deutschen Kultur, den man besichtigen kann wie deutsche Musik und deutsche Sitten und Bräuche.

In diesem "Polen-Museum" soll - so die Idee - der Zweite Weltkrieg eine "zentrale Rolle" einnehmen. Allerdings geht in diesem Museum nicht nur um Polen. "Wenn etwa", so der Professor, "mit dem Denkmal auch die 'Heldinnen und Helden des polnischen Widerstands' geehrt werden sollen, dann stellt ein Museum diese so wichtige Geschichte multiperspektivisch und vielschichtig dar." Kurz und in weniger Soziologenkauderwelsch formuliert: Juden, Ukrainer und Weißrussen müsse gleichfalls gedacht werden.

Warum ein "Polen-Museum" unbedingt auch jener gedenken soll, die in den Augen des Autors offenbar keine Polen waren, kann der Professor nicht wirklich begründet. So wenig, wie er erklärt, warum er Juden neben Ukrainern, Weißrussen und eben Polen als besondere Gruppe erfasst. Viele ermordete Juden waren Bürger des polnischen Staates. Oder verbirgt sich hier bereits Kritik an der Art, wie Polen seine Geschichte betrachtet?

Wirklich peinlich wird es, wenn in den Vorschlag eines Polen-Museums die aktuellen Wirrnisse deutscher Erinnerungskultur und politischer Korrektheit eingerührt werden. Zwar konstatiert Herr Lehnstaedt, es gab "auch bessere Zeiten in der deutsch-polnischen Nachbarschaft". Die sollen ebenfalls dargestellt werden. "Andererseits", heißt es wenig später, "gehörte zum polnischen Widerstand auch die Heiligkreuzbrigade der Nationalen Streitkräfte (Narodowe Sily Zbrojne), bekannte Rechtsnationalisten und antisemitische Mörder."

Gerade heute gelten in Polen auch diese Kämpfer durchaus als Helden. In Warschau sitzt keine Regierung, die ihr eigenes Land und seine Leute an sogenannte Flüchtlinge aus aller Herren Länder verscherbelt. Man sieht den polnischen Antisemitismus als Problem, aber eben auch den Patriotismus der Kämpfer. Ehre dem, dem Ehre gebührt.

Nicht so im deutschen Polen-Museum. "Statt ehrender Erinnerung wäre über sie wohl eher aufzuklären." - Ein deutscher Professor klärt in einem "Polen-Museum" Polen auf über mögliche Verbrechen von Polen. Soviel penetrante Selbstgerechtigkeit kennt nur die deutsche Kultur des Erinnerns.

Sven von Storch

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