Heute morgen, 9:45, meldet die Welt die neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Pandemie. Überschrift: »22.672 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert.« Weiter heißt es, die Zahl der Toten läge bei 87.
So weit, so gut. Oder auch nicht gut.
Dann folgt der wichtige Teil. »Das Institut warnte zuletzt, dass am Wochenende nicht aus allen Ämtern Daten übermittelt worden seien, sodass der tatsächliche Anstieg der Fallzahlen höher liegen könne als gemeldet.«
Ein Institut, das seinen Namen mit Stolz trägt, hätte an dieser Stelle verraten, wie viele Ämter am Wochenende ihre Daten nicht melden konnten oder nicht melden wollten. Sind es 10 von 100 oder 20 von 2,000 gewesen ? Zur Not hätte auch die Prozentzahl gereicht.
Ein Institut, das seinen Namen mit Stolz trägt, hätte herausgerechnet, wie hoch der Anteil dieser schweigsamen Ämter an den vorherigen Fallzahlen war. Waren es 30, 300 oder 3,000 von 20,000 ? Jede Tabellenkalkulation setzt das im Handumdrehn um.
Ein Institut, das seinen Namen mit Stolz trägt, hätte aus einer Kombination dieser Werte eine Hochrechnung kalkuliert. Und auch das leisten heutzutage die meisten Programme, sofern sie über einen minimalen Satz von Statistikfunktionen verfügen.
Und ein Institut, das seinen Namen verdient, hätte auch noch den Grad der Sicherheit dieser Werte verraten. Und auch das... Aber lassen wir es.
Statt dessen wird wieder einmal, wie so oft dieser Tage, mit Zahlen Verwirrung gestiftet.
Man muss dem Institut keinen Versuch der böswilligen Täuschung unterstellen. Der liegt ziemlich sicher nicht vor. Nein, es ist wie in vielen anderen Fällen. Etwa, wenn Lehrer am Ende des Schuljahrs arithmetische Mittel aus Schulnoten bilden. Das ist zwar statistischer Unsinn. Doch gemacht wird, wie in vielen anderen ähnlichen Fällen, wieder und wieder. Denn die Zahlen sollen Sicherheit geben. Sicherheit, die momentan fehlt.


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