Bisher war es nur ein Verdacht – langsam wird es zur Gewissheit: Die im Merkel-Lockdown verhängten Ausnahmeregeln sollen zur Regel erhoben werden. Und wie immer in solchen Fällen, in denen die Politik den Bürgern ihre Vorstellungen aufzwingen will, werden sogenannte Wissenschaftler als Zeugen benannt.
Die Begründung klingt überzeugend: Durch die Maskenpflicht ist angeblich auch die Grippe verschwunden. Jedenfalls behauptet das die Barmer Ersatzkasse in einer Auswertung ihrer Versicherungsdaten. Zwischen November und Weihnachten 2020 waren nur durchschnittlich zwischen 435 und 763 Versicherte pro Woche wegen einer Grippe arbeitsunfähig gemeldet – in den beiden Jahren davor waren es im Durchschnitt 923 und 1721 Personen.
Der Mainstream jubelt: »Die Grippewelle fällt aus«. Dass Durchschnittswerte aus zwei Jahren für eine Auswertung ein schlechter statistischer Witz sind, kommt den Qualitätsjournalisten nicht in den Sinn: Denn falls die 923 durchschnittlichen Grippekranken aus den beiden Werten 300 und 1546 stammen, sind die 435 mal gut und mal schlecht.
Doch die Barmer frohlockt: »Die Grippe spielt zu Beginn dieses Jahres bisher eine sehr geringe Rolle«, behauptet eine leitende Medizinerin der Versicherung. Offenbar hat sie noch nichts von Corona gehört und davon, dass, wer mit Grippesymptomen zum Arzt geht, als potentielles Coronaopfer geführt wird. Die Barmer schließt trotzdem: »Die Abstand- und Hygieneregeln zum Schutz vor Corona senken offensichtlich auch das Influenza-Risiko.«
Eigentlich braucht es für diese Erkenntnis weder schlechte Statistik noch einen Merkel-Lockdown. Aber das ist auch nicht der Sinn der angeführten Daten. Sie sind nur der wissenschaftliche Rahmen, um eine andere Forderung in den medialen Umlauf zu bringen: Die Forderung, dass Masken und AHA-Regeln dauerhaft eingeführt werden. Schließlich geht es um die Gesundheit.
»Wir sehen in den Praxen deutlich weniger Infekte, aber durch die Covid-19-Pandemie einen erheblich höheren Behandlungs- und Beratungsbedarf«, berichtet der Sprecher des Verbandes der niedergelassenen Ärzte. Mit anderen Worten: Lassen wir die Masken und AHA-Regeln einfach bestehen, wird die Zahl der Grippe-Kranken gesenkt. Und als sei das nicht genug, wird uns das ständige Desinfizieren und Händewaschen gleich auch noch mit einem Rückgang der Durchfallerkrankungen schmackhaft gemacht. Die ersten Ärzte sprechen bereits von einer Maskenpflicht in ihren Praxen.
Da aber sogar die Ärzte wissen, dass ihre Praxen nicht der »Herd der Infektion« sind, zeigen sie mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den öffentlichen Nahverkehr. Auch dort könne die Maske in Zukunft zur Pflicht gemacht werden.
All das erinnert an den Veggieday, wie ihn die Grünen gelegentlich fordern, und an andere Kampagnen der Regierung, damit der Bürger endlich gesund lebt. Für die einen mag das ja ein Spaß sein. Aber für die Mehrheit ist es nicht mehr, als der Name schon sagt: Eine Bevormundung des mündigen Bürgers durch Politiker, die anderen vorschreiben wollen, wie sie leben. Eine Diktatur zur Gesundheit.


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