Das Schöne an der Doppelmoral ist, dass man zwei davon hat. So in etwa müssen die Grünen denken. Während ihr Spitzenpersonal für Proteste gegen die Corona-Maßnahmen kein Verständnis hat, zeigt die Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang Verständnis für Klimaaktivisten, die sich auf Autobahnen festkleben.
Im Rahmen einer Kampagne »Essen retten - Leben retten« hatten sich Aktivisten der Gruppe »Letzte Generation« vor etwa einer Woche in Berlin Autobahnen blockiert, indem sie sich zum Teil auf die Fahrbahnen festklebten. So wurde der Verkehr unterbrochen. In einigen Fällen wurden Rettungswagen, die sich im Einsatz befanden, an der Durchfahrt gehindert. Der Tagesspiegel berichtete von einem Fall in Steglitz, bei dem ein Aktivist sich auf eine bereits für den Rettungswagen geräumten Abschnitt der Straße setzt. Laut Tagesspiegel waren wohl einige Anfänger unter den Aktivisten.
Die Aktion sorgte in der Öffentlichkeit für Empörung. »Wer einen Rettungswagen blockiert«, hieß es in einem Tweet, »hat jedes Recht, politische Forderung zu stellen, verspielt, egal wie legitim diese auch sein mögen«. »Diese Leute spielen mit dem Leben ihrer Mitmenschen«, in einem anderen.
Ricarda Lang sagte dem Tagesspiegel: »Ich halte zivilen Ungehorsam dann für ein legitimes Mittel des politischen Protests, wenn er eben friedlich vonstattengeht.« Nach einem Lippenbekenntnis zur Gewaltfreiheit, äußerte Frau Lag Verständnis für die Klimaaktivisten und erklärte: »Wir sollten uns jedoch fragen, warum junge Menschen zu solchen Mitteln greifen.« Dahinter, so Lang, stecke eine große Sorge um die Zukunft.
Ob Lang das auch über die Spaziergänge gegen die Corona-Maßnahmen sagt, ist nicht bekannt. Ihre Parteigenossen sind in vielen Fällen jedenfalls ganz anderer Meinung, was das Demonstrationsrecht betrifft, wie die rege Beteiligung an Gegendemonstrationen beweisen. Die Grünen messen mal wieder mit zweierlei Maß. Hier die angeblich von Rechtsradikalen bewegten friedlichen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen – dort die gewaltbereiten Klimaaktivisten, die sich auf Autobahnen festkleben und Rettungswagen behindern. Jeder kann sich vorstellen, welcher Aufruhr in den Medien herrschte, würden Spaziergänger ähnlichen Mittel einsetzen.
Dabei ginge es auch ganz ohne Kleber. Bei der nächsten Aktion der Kampagne »Essen retten - Leben retten« kann Frau Lang sich ja, sozusagen als Vorbild für die Anfänger, zu den Aktivisten gesellen. Indem sie sich einfach nur hinsetzt, zeigt sie, wie man effektiv Sitzblockaden durchführt, ohne gleich zu Klebestift, Pattex oder Sekundenkleber greifen zu müssen.


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