Er gehört zu den schlimmsten Völkermorden der Geschichte – aber bis heute schaffen es Linke immer wieder, ihn zu verschweigen oder sogar zu leugnen. Jetzt erhalten sie prominente Unterstützung. Die Menschenrechtsorganisation »Memorial« wird aufgelöst. Damit verschwindet eine der wichtigsten Gruppen, die sich mit der Erinnerung an das Massenmorden in der Stalin-Zeit beschäftigt.
Auch in Deutschland sind Terror und Massenmord in der Sowjetunion verschwiegene Themen. Insbesondere aber der »Holodomor«, das systematische Töten durch Hunger, ab 1932 in der Ukraine exerziert, ist ein weißes Feld. Zwischen 4 und 12 Millionen Kinder, Frauen und Männer fielen dem »Großen Hunger« zum Opfer. Von Stalin und seinen kommunistischen Schergen ausgelöst, um jeden Widerstand der ukrainischen Bauern gegen die umfassende Kollektivierung zu brechen.
Nach dem Völkermord zwischen 1932 und 1934 gelang es Stalin und seinen Helfershelfern im Westen, diese Untaten geschickt zu kaschieren. Noch in den 1960 Jahren gab es kein deutsches Standardwerk zu den Massenmorden. Erst nach der Wende 1989 begann sich das zu ändern. Auch in Russland wurde dieser Teil der Geschichte plötzlich aktuell und gehörte zur Austreibung des Kommunismus.
Mit Vladimir Putins Träumen vom neuen Russischen Reich wird dieses Kapitel der Aufklärung über die russische Geschichte nun geschlossen. Die Menschenrechtsorganisation »Memorial« wird auf Antrag der von Putin untergeordneten Staatsanwaltschaft aufgelöst. Der Oberste Gerichtshof Russlands folgte der Forderung der Putin-Regierung. Damit fehlt eine der wichtigsten Gruppen, die sich mit den russischen Verbrechen der 1930er beschäftigte.
Das Verbot passt in die Zeit der massiven Drohungen gegen die Ukraine. Denn genau dort fand der Massenmord statt. Daher ist eine einseitige Zuschreibung des »Holodomor« an die Kommunisten nur die halbe Wahrheit. Der Massenmord war immer auch ein Völkermord an den Ukrainern.
In seiner Urteilsbegründung verwies das Gericht auf angebliche Verstöße gegen das Gesetz über »ausländische Agenten«. Ein schon aus der Stalin-Zeit bekanntes Verfahren, jeden Kritiker der Regierung mundtot zu machen. In der mittlerweile durch dauernde staatliche Propaganda gefügig gemachten Bevölkerung, dürfte das Verbot kaum Resonanz finden.
Wieder einmal versinkt das osteuropäische Reich in Agonie. Regimegegner werden zum Schweigen oder nach Sibirien gebracht. Vor dem Hintergrund der Drohkulisse gegen seinen westlichen Nachbarn Ukraine, lässt das für die Zukunft nichts Gutes erwarten. Wenn man dann noch beachtet, wie es um die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit und Meinungsfreiheit in Mittel- und Westeuropa bestellt ist, scheint sich die Geschichte der 1920er und 1930er Jahre wiederholen zu sollen.


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