RKI und Regierung nehmen sich selber nicht ernst

Lügen mit Statistik_ Wie die Falsch-Negativen die Regierung überführen

Mit der Überbetonung der Falsch-Positiven erreicht die Merkel-Regierung zwei Ziele. Doch sie verrät sich.

Seit Monaten findet in Deutschland eine Art Grundkurs in Statistik statt. Wo zuvor der Durchschnittsbürger einen Mittelwert ausrechnen konnte, sich aber für die Streuung der Werte nicht mehr interessierte, setzt er sich heute mit R-Werten, Inzidenzen und der Aussagekraft von Testergebnissen auseinander.

Zu den beliebtesten Begriffen im Rahmen der Testung auf Corona zählen die Fälle, die »falsch-positiv« sind: Ein Befund, der Covid-19 anzeigt, obwohl kein Covid-19 vorliegt. Sie setzen den Getesteten unter unnötigen psychischen Druck und sie verfälschen die Statistik. Und nur, weil Angela Merkel in ihrer Studienzeit in Statistik nicht aufgepasst hat, gehen genau diese Werte in die Bestimmung der Inzidenzen ein – dem unsinnigen Maß für die Krise.

Doch neben den falsch-Positiven sind auch noch die falsch-Negativen im Umlauf – und das nicht nur mathematisch, sondern buchstäblich. Denn während ein falsch-Positiver Getesteter in Quarantäne gerät, ohne wirklich krank oder ansteckend zu sein, geht ein falsch-Negativer munter nach Hause und unter die Leute.

Und das ist der springende Punkt:

Wäre Corona das, was der medial-politische Komplex uns seit 13 Monaten einreden will, also so etwas wie die Pest, dann wären die falsch-Positiven belanglos. Kein Infizierter würde durch diesen Fehler beim Test unter Gesunde geraten. Doch die falsch-Negativen wäre ein veritables Desaster. Denn in diesem Fall mischt sich ein Infizierte unter Gesunde. Mit für alle tödlichen Folgen.

Trotzdem werden die Falsch-Negativen eher locker genommen, falls sie überhaupt aufgezählt werden. Beim jüngst eingeführten, für Schüler verpflichtenden Selbsttest, liegt der Anteil falsch-Negativer Befunde bei etwa 40 Prozent. Anders gesagt: 40 Prozent aller Infizierten gehen durch als nicht-Infizierte. Was in den Schulen und in der Gesundheitsverwaltung offenbar niemanden kümmert.

Mit den Schnelltests ist es nicht besser. Der Virologe Professor Oliver T. Keppler, Vorstand des Max von Pettenkofer-Instituts und Lehrstuhlinhaber für Virologie an der renomierten LMU München, spricht im Interview über die Zuverlässigkeit der Schnelltests von einer »klaren Fehlwahrnehmung«. Nach Aussage von Keppler kommt eine Metastudie zu dem Ergebnis, »dass 58 Prozent, also nur knapp die Hälfte der Infizierten ohne Symptome überhaupt durch Antigen-Schnelltests erkannt werden.« Die anderen laufen, salopp gesagt, frei rum.

Doch die Merkel-Regierung ist fixiert auf falsch-Positive und Inzidenzen. Mit anderen Worten: Sie nimmt das Corona-Virus und damit sich selber nicht ernst. Andernfalls würden ihr falsch-Negativ-Raten von um die 50 Prozent – mit anderen Worten: Man könnte auch würfeln – schlaflose Nächte bereiten. Was sie nicht tun.

Sven von Storch

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