Nach ihrem Auftritt vor der UNO wurde Greta Thunberg von US-Präsident Trump als glückliches Mädchen bezeichnet - "a very happy young girl." Sie reagierte darauf, indem sie sich auf Twitter selber ein glückliches Mädchen nannte - "a very happy young girl". Das war eine gleich doppelt unglückliche Reaktion.
Zum einen hatte Thunberg die Anmerkung von Donald Trump wiederholt. Schon eine Retourkutsche kommt in aller Regel schlecht an, weil sie einen Vorwurf lediglich umdreht. Es wirkt billig. Kinder rufen nicht zufällig und abfällig: Selber, selber, sagen alle Kälber. Doch Thunberg spart sich sogar die Verdrehung der Richtung. Kein Hauch einer ironischen Eintrübung umweht ihre Zeile. Einfallslos gibt sie einen Abschnitt aus Trumps Tweet wortwörtlich wieder. Das ist weniger als wenig.
Zum anderen wird eine wortgleiche Wiederholung immer als Bestätigung des Gesagten gedeutet. Trump sagt: Schaut auf dieses glückliche Mädchen. Sie sagt: Ich bin ein glückliches Mädchen. Und das nachdem sie kurz zuvor vor der UNO der Welt unter gequälten Blicken den Untergang prophezeihte.
Ist Greta Thunberg ein glückliches Mädchen? - Zumindest geht für sie der Traum der meisten Teenager jeden Tag in Erfüllung. "In der Zukunft wird jeder für 15 Minuten lang berühmt sein." Andy Warhols Diktum ist für Greta Thunberg Realität. Sie spricht vor der UNO, sie wird für den Nobelpreis gehandelt, auf ihrer Überfahrt nach New York erlangte sie die Aufmerksamkeit der Titanic. - Wer sonst kann das von sich sagen?
Donald Trump traf den Nagel also durchaus auf den Kopf. Wahrscheinlich weil er selber zu den wenigen zählt, die wissen, wie das ist, ständig im Rampenlicht der Medien zu baden. Ihre Mutter hat zumindest eine Ahnung davon und man kann sich denken, wie neidisch sie in Wirklichkeit ist. Ihre Tochter kennt jeder. Sie ist allenfalls die Mutter der Tochter.
Und weil Trump es traf, reagierten die Mainstream-Medien unwirsch. Zuerst lästerten sie über den Tweet. Dann wurde er als Spott und Herabwürdigung der ehrenvollen Kämpferin für das Klima gedeutet. Aber hier gilt die alte Regel Karl Kraus': "Was trifft, trifft zu." Sie hätten besser geschwiegen.
Doch sie machten noch weiter - und alles nur schlimmer. Jetzt auto-suggerierten sie sich - weiterhin ganz Relotius-Presse - eine Bedeutung zurecht und meinten, Greta Thunberg "reagierte nun subtil". Was an der Wiederholung subtil ist, kann der Spiegel nicht sagen. Warum? - Weil den Mainstream-Medien die Erkenntnis, dass Greta Thunberg ein glückliches Kind ist, nicht zugänglich ist. Denn dann zerfiele die Stilisierung zu Staub. Die Ikone Greta Thunderg funktioniert nur, weil sie krank und unglücklich wirkt.
Wenn also hier einer subtil ist, dann Präsident Trump. Aus der höheren Warte sieht er den tieferen Sinn der Klimastreiks für das minderjährige Mädchen aus Schweden. Ohne auch nur einen Augenaufschlag von Bösartigkeit beschreibt er ihren Zustand, wie er eigentlich ist. Für einen kurzen Moment absurd, wirkt seine Bemerkung umgehend treffend. Auch weil er sie mit einer Nonchalance macht, die vielen ihrer sonstigen Kritiker abgeht: "She seems like a very happy young girl looking forward to a bright and wonderful future. So nice to see!"


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