Noch ist der Höhepunkt der Omikron-Welle nicht erreicht, da taucht schon die nächste Variante auf und mit ihr die üblichen Panikmacher vom Dienst. Allen voran Christian Drosten. Er vergleicht das neue Virus BA.2, ein Abkömmling von BA.1, also Omikron, mit einem Auto und erklärt, »der Motor von BA.2, der hat schon ein paar PS mehr«.
Also kreiert der Virologe von der Charité in Berlin für ein nicht wirklich neues Virus eine neue Metapher, die dem Bürger die Gefahr verdeutlichen soll, in der er vermeintlich schwebt. Der hört förmlich das Röhren des Motors, zurrt seine Maske noch fester und spurtet zum nächsten Impftermin. Was er sich nicht überlegt: Wie unsinnig das Bild eigentlich ist. Aber damit haben die Corona-Experten der Talks-Shows ja Übung. Unsinnige Metapher zu finden. Erst im Dezember glänzte Gesundheitsminister Lauterbach mit seiner physikalisch völlig sinnfreiem Steigerung der Omikron-Welle zur Wand.
Aber mit solchen Vergleichen macht sich Christian Drosten sicher Freunde im Gesundheitsministerium, die nur darauf warten, mit neuen Varianten die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen zu können. Der Gesundheitspolitiker der Grünen, Janosch Dahmen, war sogleich zur Stelle. Er hält Lockerungen der Corona-Maßnahmen in den kommenden vier Wochen für eher unwahrscheinlich. »Es ist möglich«, sagte er, »dass sich die Trendwende um mehrere Wochen verzögern könnte«. Er vermutet, dass der Höhepunkt der aktuellen Welle nach hinten verschoben wird. Verständlich bei einer Politik, die jetzt plötzlich wieder nur auf Infektionszahlen achtet. Die werden, sagte Dahmen, »möglicherweise noch nicht im Februar zurückgehen".
Indes lockt Drosten mit dem PS-Bild auch Kritiker an. Sein Kollege Professor Klaus Stöhr blaffte in der Welt, offensichtlich genervt: »Ich kann diese Semantik nicht mehr hören« – »Die Infektiösität sagt nichts darüber aus, wie groß die Krankheitslast wird.« Dass letztendlich nur die Krankheitslast zählt, sollte Herr Drosten eigentlich wissen und er weiß es sicherlich auch. Nur ist ihm, dem Influenza-Influencer, das nicht wichtig. Daher vergreift er sich auch in der Metapher. Für die Inzidenz wäre die Geschwindigkeit das richtige Bild. Doch Drosten redet von PS, also der Leistung eines Wagens. Dann aber müsste der Virologe die Auswirkungen einer Infektion mit dem Virus auf den Körper beschreiben. Davon aber sagt Drosten nichts.
Tatsächlich ist die Krankheitslast ist nicht höher als beim Original: Bei O-Mikron, dem kleinen O. Das gibt sogar die Tagesschau zu. Die Zahl der schweren Verläufe sei, berichtet sie, nicht höher: »Sehr frühe Beobachtungen aus Dänemark legen nahe«, betont eine Virologin aus Frankfurt, »dass zwischen BA.1 und BA.2 in der Krankheitsschwere kein großer Unterschied zu sein scheint«. Sie wird unterstützt von Virologe Tom Peacock vom Imperial College in London.
Bei der nächsten Variante sollte Herr Drosten vorher Karl Lauterbach konsultieren, damit beide eine passende Metapher finden, die medizinisch Sinn macht. Denn irgendwann kann man sich nicht mehr auf die Ängstlichkeit und Vertrauensseligkeit der Bürger verlassen.


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