Irgendwas ist wohl nicht ganz so gelaufen, wie es sich Gesundheitsminister Spahn, CDU, vorgestellt hatte. Als am Sonntag in Halberstadt mit der ersten Impfung der erste medizinische Großversuch an einer Bevölkerung startete, zeigte sich der Minister laut Bild »verwundert«. Offenbar hatten die Mitarbeiter des Impfzentrums im Landkreis Harz ohne ihn mit der Impfung begonnen.
Spahn machte gute Miene zum vergeigten Spielbeginn. Er zeigte sich zwar erfreut, verwies aber zugleich etwas pikiert auf einen Bruch der Vereinbarung. »Allerdings hatten wir mit allen Partnerländern der EU und mit den 16 Bundesländern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern und ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen.«
Kurz gesagt: Minister Spahn, der durch eine Reihe von Patzern und seine Erklärung, ein Lockdown würde sich nicht wiederholen, wohl den verständlichen Unmut aus dem Kanzleramt zugezogen haben dürfte, verpasste die medienwirksame Show der ersten Impfung.
Gleich zu Beginn der Impfungen offenbart der Corona-Staat seinen Charakter: Denn Jens Spahn fehlte bei der Impfung von Edith Kwoizalla, eine 101-Jährige, die nun den Titel ›Erste gegen Corona Geimpfte‹ erhielte – falls es ihn gäbe.
Es gibt diesen Titel zwar nicht. Aber er passte zu dem, wohin sich Deutschland gerade entwickelt: Zum Staat im Ausnahmezustand, zum Corona-Staat.
In solchen Staaten werden einzelne Bürger zu Helden stilisiert. Im Sozialismus wurde von ›Helden der Arbeit‹ gesprochen. Im Sommer hätte man von ›Helden der Epidemie‹ sprechen können. Heute spricht man von ›Helden der Impfung‹. Wer das nicht glaubt, werfe einen Blick auf die zuerst geimpften:
Edith Kwoizalla, eine 101-Jährige Dame in Halberstadt macht den Anfang in Deutschland; Theresia von Grün, eine 100-Jährige, den Anfang in Unterföhring in Bayern; Gertrud Haase, ebenfalls eine 100-Jährige, den Anfang in Berlin.
In Begleitung der Medien und mit langen Berichten werden die Damen mit einem Wirkstoff geimpft, dessen Langzeitwirkung unbekannt ist.
Das ist Show. Das ist eine miese Show. Aber es ist eine Show, die zum Corona-Staat passt.
Einzelne Bürger werden zum Versuchskaninchen gemacht. Wie einstmals der ›Held der Sozialistischen Arbeit‹ sollen diese ausgewählten Alten anderen Bürgern bedeuten, was nun ihre Pflicht sei: Sich rücksichtslos impfen zu lassen.
Doch es ist nicht nur Show. Es ist auch ein Missbrauch der Alten. Hemmungslos wird deren Sehnsucht, noch einmal beachtet zu werden und ihr Glück, die Aufmerksamkeit zu erhalten, die ihnen sonst niemals wieder zuteil werden wird, vom Corona-Staat und seinen Vertretern genutzt.
Welch ein Zynismus!
Noch im Frühjahr wurden die Alten auf Geheiß derselben Politiker, die sich nun mit den auserwählten über 100-Jährigen vor der Kamera zeigen oder zumindest gern zeigen wollen, von ihren Nächsten getrennt und einsam auf den Weg in ihr Ende geschickt.


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