Nach russischem Einmarsch in die Ukraine:

Störung in Satelliten-Netzwerk_ Fast 6.000 Windkraftwerke nicht erreichbar

Nach Störungen im Satelliten-Netz können tausende Windkraftwerke nur noch eingeschränkt gewartet werden.

Es begann am vergangenen Donnerstag. Zunächst fielen die Verbindungen vieler Satelliten-Schüsseln und damit der Empfang von Sendern aus. Betroffen waren europaweit rund 30.000 Satellitenterminals, die mit dem KA-SAT Satelliten verbunden sind und von allen möglichen Branchen genutzt werden. Die TV-Kunden erhielt eine Mail.

Dumm daran: Nicht nur Fernseher werden über den KA-SAT betrieben, sondern auch tausende Windkraftanlagen. Sie sind für die Fernwartung nicht mehr erreichbar. Und während wohl jeder für ein paar Stunden verzichten kann, bedeutet ein Windkraftrad, das unkontrolliert vor sich hindreht, ein ernstes technisches Problem.

Betroffen von dem Ausfall sind 5.800 Anlagen in ganz Europa. Das teilte der Windenergieanlagen-Hersteller Enercon dem Handelsblatt mit. Umgerechnet ist das eine Gesamtleistung von elf Gigawatt. Wahrscheinlich sind auch andere Windenergieanlagen betroffen, die eine Fernwartung über den Satellit KA-SAT betreiben.

Die eingeschränkte Wartung hat Folgen. Zwar erklärte der Enercon mit, »Auswirkungen auf die Stromnetzstabilität sind aufgrund redundanter Kommunikationsmöglichkeiten der zuständigen Netzbetreiber derzeit nicht zu erwarten.« Aber Windkraftanlagen, deren Funktionieren nicht mehr aus der Ferne kontrolliert werden kann, stellen mit Sicherheit ein Risiko dar und sei es nur für die Kosten der Wartung. Jetzt muss wahrscheinlich bei einer Verdachtsmeldung jeweils ein Team zur Anlage fahren.

Der Ausfall, dessen Gründe bis gestern noch nicht geklärt werden konnten, wirft ein grelles Licht auf den Zustand der Stromversorgung in Deutschland. Wenn der Ausfall eines einzigen Satelliten oder des Zugangs zu dem Satelliten die Lieferung von elf Gigawatt Leistung gefährden – was passiert, wenn weitere Satelliten-Netze ausfallen? In jedem Fall ist die Energieversorgung Deutschlands massiv gefährdet, da die Kontrolle der hoch-subventionierten Propeller derart zentralisiert erfolgt. Allerdings wäre eine dezentrale Kontrolle auch noch einmal teurer. Und richtig teuer wird es, wenn ganze Wirtschaftsbereiche lahmgelegt werden. Denn wer in der Lage ist, ein Netz zu stören, kann es wahrscheinlich auch steuern. Und er wird es abschalten können.

Sven von Storch

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