Nach dem RKI meldet auch der Gesundheitsminister:

Spahn bleibt dabei_ Infektionen vor allem vom Balkan und aus der Türkei

Trotz heftiger Kritik bleibt der Deutsche Gesundheitsminister bei seiner Einschätzung, woher das Steigen der Infektionszahlen im Sommer 2020 kam.

Schwer zu sagen, ob Jens Spahn vielleicht doch Kanzlerkandidat werden will oder vielleicht auch nicht – jedenfalls hat er sich mit einer Aussage zur Herkunft von Infektionen im vergangenen Sommer weit aus dem politisch-korrekten Fenster gelehnt. Seine Bekräftigung dürfte es nicht besser machen.

»Wenn Sie auf die Länder schauen, wo die Infektion stattgefunden hat«, hatte der Minister, den viele für das Impfdesaster in Deutschland verantwortlich machen, in der TV-Sendung ›Frühstart‹ gesagt, dann »sind unter den ersten zehn Ländern vor allem auch Länder des Westbalkans und die Türkei«. – Deutliche Worte. Als Beleg verwies Spahn auf Daten des RKI aus dem Jahr 2020.

Somit bekräftigte Spahn sein vorheriges Urteil vom 23. Mai, dass »Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst« hätten. Zugleich hatte er frühzeitige Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise gefordert, um ein solches Geschehen in diesem Jahr zu verhindern.

Spahn reagiert damit auf Kritik aus Albanien und der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Die hatten wie immer reagiert, wenn man ihnen den Faktencheck vor die Nase hält – sie waren beleidigt. Dabei spielten sie allerdings virtuos auf der moralisierenden Klaviatur von Union und Rot-Grün.

»Es ist ein Skandal«, erklärte der Albanische Ministerpräsident Rama laut Merkur, »dass ein deutscher Minister den Balkan öffentlich anprangert und damit auch Menschen mit Migrationshintergrund abwertet«. Weiter betonte er: »Ich werde nicht zulassen, dass Albanien als Risikobereich für Urlaubsreisen dargestellt wird, es gibt keine Zahlen, die dies belegen.« Was genau Albanien unternehmen will, sagte Rama nicht.

Womöglich angestachelt durch die Kritik aus Albanien übte sich nun auch der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Serhat Ulusoy, in Gutmenschensprech: Der Gesundheitsminister stelle eine »ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht« und öffne damit »Stigmatisierungen Tür und Tor«.

Nach diesen Stellungsnahmen mussten die GEZ-Medien nachziehen. Der Redaktionsleiter von ›Monitor‹, ARD, kommentierte Georg Restle auf Twitter: »Es ist beschämend, Menschen aus der Türkei/dem Balkan für steigende Infektionszahlen letzten Sommer verantwortlich zu machen, wenn man weiß, dass der Anstieg in absoluten Zahlen gering war. Und mit der zweiten Welle nix zu tun hatte. Sollte @jensspahn wissen. Weiß er vermutlich genau.«

Wenn nun Jens Spahn nach einem erneuten Blick in die Zahlen des RKI dabei bleibt, wäre es interessant zu wissen, wie Albaner, Türken und GEZ-Medien-Mitarbeiter reagieren.

Sven von Storch

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