Das Robert-Koch-Institut führt neue Kennzahl ein

Robert-Koch-Institut_ Lügen mit Statistik_

Nachdem die bisherige Kennzahl R mehrfach über ihren kritischen Wert gestiegen ist, hat das Robert-Koch-Institut eine neue Zahl eingeführt.

Eigentlich klingt es wie ein schlechter Witz: Nachdem die Reproduktionszahl R einige Tage über 1 liegt, hat das Robert-Koch-Institut in einem Pressebriefing eine neue Zahl angekündigt. In Zukunft will das Institut eine »geglättete Reproduktionszahl« angeben.

Den Grund für diese Änderung liefert das Institut gleich mit: Obwohl die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Tagen kontinuierlich zurückging, stieg die Reproduktionszahl R wieder an. Weiter sagte der Institutssprecher, die Zahl R sei mit einer statistischen Unsicherheit behaftet, unter anderem, weil Zahl der Neuinfektionen mit Verzögerung eingerechnet wird.

So weit so ungut. Denn tatsächlich müsste das Institut deutlich sagen, dass seine Art, die Anzahl der Neuinfektionen zu bestimmen schlicht nicht die Wirklichkeit zeigt. Und das nicht erst seit gestern, sondern schon länger – nämlich so lange, wie das Institut die Neuinfektionen nicht einfach den gemeldeten Zahlen entnimmt, sondern nachbessert. Dieser Nachbesserung erweist sich nunmehr als falsch.

Wenn der Sprecher weiter behauptet, der Wert R, den das RKI meldet, entspräche dem Wert von vor eineinhalb Wochen, dann ist auch das einfach falsch. Warum ? – In ihrem Papier vom 20. April beschreibt das RKI, wie es die Reproduktionszahl R bestimmt. In diesen Beschreibungen zeigt es die Verläufe von R und merkt an, dass sich die Werte von R bereits 2 bis drei Tage nach Verhängung verschiedener Maßnahmen der Bundesregierung deutlich verändert habe – offenbar in der Absicht zu zeigen, dass die Maßnahmen wirken. (vgl Tabelle 2)

Im Originalton: »Die R-Schätzung ergibt für Anfang März Werte im Bereich von R = 3, die danach absinken, und sich etwa seit dem 22. März um R = 1 stabilisieren (s.Abb. 4). Am 9. April lag der Wert von R bei 0,9 (95 %-PI: 0,8 – 1,1). Unter Anderem die Einführung des bundesweit umfangreichen Kontaktverbots führte dazu, dass die Reproduktionszahl auf einem Niveau unter 1/nahe 1 gehalten werden konnte.« In einer Tabelle direkt neben dem Text heißt es: »23. März Bundesweit umfangreiches Kontaktverbot« 

Entweder beweist die Tabelle nicht, was sie beweisen will und die Wertveränderungen haben ganz andere Gründe – oder die Reproduktionszahl R wird vom RKI falsch bestimmt. Letzteres ist wahrscheinlich. Und der Grund sind die Nachjustierungen, die das Institut durchführt, um die Schwankungen über die Wochentage zu dämpfen.

Mit diesen auf falschem Weg gewonnenen Daten hat eine Einrichtung des Bundes seit mehreren Tagen Panik verbreitet. Jetzt gesteht sie zwar ihren Irrtum, ist aber noch immer nicht willens, die ganze Wahrheit über den Irrtum zu sagen. Statt dessen versucht sie die Bedeutung der Reproduktionszahl R kleinzureden.

Was das mit Wissenschaft zu tun hat, darüber dürfen die Bürger, eingeschlossen in ihren Wohnungen, rätseln.

Sven von Storch

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