Ein Lehrstück über das Kalkulierbare und das Unkalkulierbare

Pleiten, Pech und Pannen_ Der Weg der ›Bismarck‹ in den Untergang

Am Morgen des 27.Mai, heute vor 80 Jahren, wurde die ›Bismarck‹ nach einem ungleichen Gefecht versenkt.

Fast genau vor 80 Jahren wurde das Schlachtschiff ›Bismarck‹ im Atlantik versenkt. Und natürlich klingt ein Titel der mit ›Pleiten, Pech und Pannen‹ beginnt unangemessen. Doch in Wahrheit ist nicht der Titel unangemessen, sondern die Umstände, die zur Versenkung und den Tod von über 2.200 Matrosen geführt haben.

Um etwa fünf nach halb Zehn am Morgen des 27.Mai 1941 legt sich das 50.000 Tonnen schwere Schiff langsam zur Seite und sank wenig später im eiskalten Wasser des Atlantiks. Von den etwa 2.200 Mann Besatzung kamen circa 800 frei vom sinkenden Schiff, allerdings konnten nur 111 Mann von der Royal Navy gerettet werden, als nach einem U-Boot-Alarm die Rettungsarbeiten gestoppt werden mussten. Fünf weitere Überlebende hatten Glück und wurden am nächsten von der deutschen Marine gerettet.

Und dabei hatte die ganze Operation so erfolgreich begonnen. Am frühen Morgen des 24. Mai hatte der Stolz der Deutschen Kriegsmarine den Stolz der Royal Navy nach nur fünf Salven versenkt. Danach setzte der deutsche Verband aus einem Schlachtschiff und einem Schweren Kreuzer die Fahrt in den Einsatzraum Nord-Atlantik kurze Zeit fort – bis Admiral Lütjens sich entschied, mit der ›Bismarck‹ nach Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste zu laufen.

Sein Schiff hatte einen folgenschweren Treffer in die Tanks im Vorschiff erhalten und verlor Öl. Das war nicht nur wertvoller Treibstoff, sondern zudem hinterließ das Schiff einen breiten Streifen aus Öl, gut sichtbar für jeden Piloten.

Der Treibstoffverlust schien marginal und wäre es auch gewesen, hätte Lütjens nicht zwei Tage zuvor einen folgenschweren Fehler begangen. Nach der Fahrt von Gotenhafen hatte er es versäumt, sein Schiff maximal aufzutanken. Ein schwerlich entschuldbarer Fehler. In der Royal Navy war das wann immer mögliche Auffüllen der Tanks ein Muss. Nun konnte die ›Bismarck‹ – oder ›der‹ Bismarck, wie ein deutscher Autor in der Meinung, ein solches Schiff könne keinen weiblichen Namen tragen, schrieb – nun konnte die ›Bismarck‹ nicht höchste Fahrt machen, um ihren Verfolgern nach Saint-Nazaire zu entkommen.

Das aber wäre nicht entscheidend gewesen, wenn Lütjens auf sein Glück vertraut hätte. Nach einem von allen Seiten immer wieder gefeierten Manöver, mit dem er der Royal Navy buchstäblich einen Haken schlug, schüttelte er seine unmittelbaren Verfolger, zwei britische Schwere Kreuzer, ab, indem er zunächst achtern hinter ihnen her lief und nahm Kurs Richtung französische Küste, nachdem die Kreuzer im Glauben, die ›Bismarck‹ wäre nach Süd-Westen durchgebrochen, die traditionelle Blindheit nach Achtern bewiesen. Die Briten hatten die Deutschen verloren.

Nun machte Lütjens einen weiteren Fehler, weil er eben seinem Glück nicht vertraute. Im Glauben, die Briten nicht wirklich abgeschüttelt zu haben, schickte er lange Funksprüche zum Marinekommando. Die Royal Navy konnte das Schlachtschiff nun orten – aber als hätten sich die Götter des Seekriegs ein weiteres Mal entschlossen, dem Deutschen Schlachtschiff eine Chance zur Rettung nach Frankreich zu geben, wurden die Positionsangaben des Schiffs auf den Britischen Kriegsschiffen auf die verkehrten Karten und damit falsch übertragen. Statt auf einen Abfangkurs, bewegten sich die Verfolger auf einem Gegenkurs, der eine Verfolgung unmöglich machte.

Eigentlich war die ›Bismarck‹ gerettet. Denn nachdem die britische Seekriegsleitung den Fehler erkannte, war die ›Bismarck‹ zu weit entfernt. Da nutzte es auch wenig, dass ihre Position dank entschlüsselter Funksprüche und systematischer Suche wieder bekannt war.

Den Briten blieb nur eine einzige Chance: Ein Luftangriff vom Flugzeugträger ›Ark Royal‹, der sich mit einem Flottenverband unter dem Kommando von Admiral James Somerville von Süden näherte. Nunmehr hatten die Briten Glück im Unglück. Ein erster Angriffsverband attackierte nicht das deutsche Schlachtschiff, sondern versehentlich einen eigenen Kreuzer – allerdings mit der Folge, dass die Einsatzleitung erfuhr, dass die Magnetpistolen der Torpedos nichts taugten.

Um Abend des 26.Mai um 19 Uhr und 10 Minuten startete eine zweite Angriffswelle aus Jägern und Doppeldeckern – ja, im Frühjahr 1941 flogen die Piloten der Royal Navy noch mit den betagten ›Swordfish‹ ins Gefecht. Doch wie schon beim Angriff auf die italienische Flotte in Tarent im November zuvor war die Langsamkeit der Maschinen auch ein Glück, denn die deutsche Flak überschätzte das Tempo und zielte schlecht.

Neun Angreifern gelang es, ihre tödliche Ladung abzuwerfen – zwei Torpedos trafen die ›Bismarck‹. Ein Treffer richtete mittschiffs keinen größeren Schaden an. Aber der zweite beschädigte die Ruderanlage so schwer, dass das Schlachtschiff praktisch im Kreis fuhr. Alle Versuche in der Nacht vom 26. zum 27.Mai die Schäden zu reparieren, gingen Fehl. Das Glück der Deutschen Marine war erschöpft.

Am Morgen des 27.Mai, heute vor 80 Jahren, wurde die ›Bismarck‹ nach einem ungleichen Gefecht versenkt. Über zweitausend Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben.

Sven von Storch

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