Eines kann man Bundesgesundheitsminister Lauterbach in der Corona-Pandemie nicht vorwerfen: Mangel an Phantasie. Nachdem der umtriebige SPD-Politiker in einer einzigen Nacht den »Wellenbrecher«-Lockdown erfand und für diesen Herbst die Ankunft von »Killer-Viren« prognostizierte, revolutioniert er nun den Corona-Test. Der Spürhund soll es in Zukunft richten.
Auf der Basis einer Studie verkündete Professor Lauterbach über Twitter: »Spürhunde können COVID zuverlässig riechen und feststellen. Sie können wahrscheinlich auch auf neue Varianten spezialisiert werden. Für Flughäfen wäre dies eine zusätzliche Sicherheit.«
Begleitet wird der Tweet des ›Angstministers‹ von der ersten Seite der insgesamt 11-seitigen Studie. Sie ist übersät mit neongelben Markierungen. Lauterbach hat ersichtlich zumindest die erste Seite gelesen.
Der Tweet wird dagegen von einer Spott-Kanonade begleitet. Gleich der erste Schuss trifft ins Ziel: »Manche Hunde planen sogar schon wieder an der Impfpflicht für Herbst«, schreibt User Dr. Lockdown Viehler. Andere User machen sich Sorgen um die Hunde. Wieder andere um den gesundheitlichen Zustand des Ministers.
Nicht gelesen hat Lauterbach dann wohl das Kleingedruckte der Studie, also den Teil nach der Zusammenfassung zu Anfang. Dort heißt es zu den Grenzen der Studie:
Hunde, die zuvor als Drogenspürhunde eingesetzt wurden, könnten auch dann anschlagen, wenn gar kein Corona vorliegt. Dazu kommen Fehler in der Konfiguration der Experimente, die das Ergebnis beeinflussen konnten. Zu möglichen Virus-Varianten können die Autoren im wesentlichen nur spekulieren. In jedem Fall scheiterten die Hunde an der natürlichen Variante des Virus, wie die Studie gesteht.
Die wichtigste Erkenntnis haben sich die Wissenschaftler für den vorletzten Satz aufgehoben: »Im realen Umfeld konnten wir die Ergebnisse unserer Validierungsstudie für negative Proben verifizieren, aber die Fähigkeit der Hunde, positive Proben zu erkennen, konnte wegen der geringen Prävalenz positiver Personen nicht bestätigt werden.«
Vielleicht sollte Karl Lauterbach Studien bis zum Ende durchlesen. Nicht dass jemand am Flughafen »mit« Drogen einreist, »wegen« Corona aufgespürt wird und nach einem negativen PCR-Test die Quarantäne mitsamt seinen Drogen verlässt.
Und Lauterbach sollte die Studien verstehen. »Spürhunde können COVID zuverlässig riechen und feststellen«, behauptet der Minister. Doch genau das können Spürhunde eben nicht, wie besagte Studie zeigen kann.


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