Unglaube oder Unverstand?

Katholische Studenten schreiben Gott mit Genderstern_ Gott_

Der Genderstern ist ein sprachliches Monster. Aber mitunter zeigt er auch an, wie wenig jemand sich selber versteht. - Ein Kommentar

Soviel ist sicher: Der Genderstern ist ein sprachliches Monster. Nach den Vorstellungen seiner Propagandisten, soll er über einen simplen Symbolismus zum Ausdruck bringen, dass es zwischen den natürlichen Geschlechtern männlich und weiblich noch etliche andere gibt. Bürger*innen benennt demnach alle Bürger und Bürgerinnen und alle mit ein bisschen von beiden Geschlechtern. Aber vor allem steht der Stern für eine übergangslose Palette von Möglichkeiten, auf der jeder meint, seins nach Gutdünken wählen zu können.

Diese Wahl glaubt die »Katholische Studierende Jugend«, KSJ, auf Gott übertragen zu können. Gott schreibt sie ab sofort mit einem Genderstern: »Gott*«.

Nun heißt es zwar in einer der am tiefsten gedachten Passagen des Neuen Testaments: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort« - aber nirgends steht dort etwas von einem männlichen oder einem weiblichen Gott. Über die beiden Geschlechter wird am Anfang der Bibel berichtet. Es ist ein Attribut des Menschen und, zumindest in einer Lesart der Genesis, nicht einmal eines der ersten: Erst nachdem Gott Eva geschaffen hatte, war der Unterschied in der Welt. »Mann« und »Männin« [1.Moses, 2,23] nennt Luther das Paar. Das kann, wer will, als frühen Versuch der Bibel werten, Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache walten zu lassen - doch von verwirrten, womöglich unendlich vielen Zwischengeschlechtern weiß die Bibel überhaupt nichts.

Warum also sollte dem Name Gottes ein Genderstern angehängt werden? - Die »Katholische Studierende Jugend« begründet ihr Vorhaben mit einer Kampagne, die sich für ein anderes Gottesbild starkmachen will: »weg von dem strafenden, alten, weißen Mann mit Bart hin zu einer Gottes*vielfalt«. Die jungen studierenden Katholiken streben danach, »das katholische Gottes*bild zu entstauben«. Die Studenten sind also schnell bei der Sache. Beim Versuch, ihr Vorhaben zu erklären, probieren sie die neue sprachliche Technik gleich zweimal aus - und beide Male geht es völlig daneben.

Nehmen wir einmal an, die Studenten wissen um die Bedeutung des Gendersterns: Er steht, wie eingangs beschrieben, zum Beispiel in Gläubiger*innen für alle Gläubigen, die weder ganz Mann noch ganz Frau sind. Was aber hat der Stern dann zwischen Gott und Bild, zwischen Gott und Vielfalt zu suchen? - Herzlich wenig. Weder Bild noch Vielfalt haben Geschlecht; es sei denn, jemand nimmt den grammatischen Genus - aber gerade der ist mit dem Genderstern nicht gemeint. Wenn überhaupt, dann wäre ›Gott*in‹ das höchste der semantischen Gefühle, falls man den Unfug unbedingt mitmachen will. Der Name Gottes verwiese in dieser Schreibweise auf die verschiedenen Geschlechter des einen Gottes.

Aber gerade diese Version schlagen die Studenten eben nicht vor. Sie haben den Stern an das Wort Gott angefügt und schreiben: Gott*. Ausgerechnet die weibliche Ausprägung lassen sie weg. Ein letzter Rest gläubiger Ehrfurcht? Ein Moment Verstand, für das die Studenten womöglich nichts können? Wer weiß.

Wahrscheinlicher ist, dass die Katholischen Studenten nicht nachgedacht haben. Sie waren begierig, eine Kampagne zu starten und dabei die Zeichen und Begriffe der anderen Aktivisten für sich nutzen zu können; deshalb die abgedroschenen Floskeln »vorurteilsfrei« und das leere Geschwätz vom »alten, weißen, strafenden Mann«; deshalb der Stern am Ende von Gott, der kein Genderstern ist.

An die Katholischen Studenten daher mein Rat: Wenn ihr schon unbedingt einen neuen Namen für Gott sucht, dann sucht in der Bibel. Dort steht die Antwort. Sie wurde Moses von Gott mitgeteilt. »Ich bin, der ich bin« oder auch »Ich werde sein, der ich sein werde« [2.Moses, 3,14] - die in dieser Kürze wohl treffenste sprachliche Form, die unendliche Vielfalt Gottes zu nennen. Und ihr werdet merken, dass man Gott nicht gleich mit einem anderen Namen anrufen muss, nur weil ein paar junge, farbige, strafunmündige Studierende hohles Gerede von linken und grünen  Ideologen kopieren.

Sven von Storch

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