Klimaaktivisten machen Ferien

Feiern for Future_ Klimaretter auf Kreuzfahrt

Während die Ikone der Klimaretter Greta Thunberg mit einem spartanisch ausgerüsteten Segelboot den Atlantik überquert, genießen ihre Anbeter das Klima vom Deck eines Kreuzfahrschiffs. Eine feine Doppelmoral.

Während die Ikone der Klimaretter Greta Thunberg auf einem spartanisch ausgerüsteten Segelboot den Atlantik überquert, genießen ihre Adepten das Klima vom Deck eines Kreuzfahrschiffs. Nun schallt ihnen der Vorwurf der Doppelmoral entgegen. Und das völlig zu recht.

Eigentlich ist die Diskussion um die Dienstwagen grüner Minister oder einen Flug von Greta Thunberg zum Klimagipfel einigermaßen sinnfrei. Denn natürlich muss ein Minister den Dienstwagen nutzen, weil er andersfalls seine Arbeit nicht schafft. Und die umtriebige Greta Thunberg ist mit dem Flugzeug nun einmal schneller am Ziel. In beiden Fällen gilt: Der Anteil am Gesamtaufkommen von CO2 ist verschwindend gering, Kritik an den Fahrten und Flügen reinste politische Show.

Ebenso belanglos ist die fünftägige Studienfahrt von Schülern eines Frankfurter Gymnasiums von Kiel über Oslo nach Kopenhagen. Auch sie ist klimatechnisch belanglos.

Aber wenn Hochmoralisten, die jeden Freitag im Interesse der Klimarettung die Welt in Angst und Schrecken versetzen und Panik einfordern, sich auf Deck eines Kreuzfahrtdampfers einfinden, dann verstoßen sie gegen die eigene Masche. Denn sie betreiben Symbolpolitik. Und wer Symbolpolitik macht, der muss auch nach seinen Symbolen vor den anderen leben. Greta Thunberg hat das gewusst, als sie zu ihrem Segeltörn für das Klima einschiffte. Sie weiß, wie Politik mit Symbolen gemacht wird. Oder ihr Vater und ihre Berater.

Wer gegen diese Regel verstößt, hat die Kritik zu recht an der Backe. Wenn der Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken laut focus mit Unverständnis auf die Kritik reagiert und von einer "symbolischen Attacke" und einer "emotionalen Reaktion" auf ein aufgeladenes Thema sprach, dann trifft er zum einen den Kern. Es geht um Symbole. Allerdings sollte er sich selber und seine Schüler am nächsten Freitag in der Schule oder auf einer Demo einmal fragen, wer die Klimadebatte aufgeheizt hat. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, sagt der Volksmund.

Wenn nun ein Lehrer auch noch so ungeschickt ist, auf die günstigen Werte des Dampfer zu zeigen und die offiziellen Zahlen in Zweifel zu ziehen, dann wird es brenzlig. Denn mit genau diesen Zahlen zog Fridays for Future in den letzten Wochen gegen Kreuzfahrtschiffe zu Felde. Das riecht doch sehr nach Doppemoral.

Diese Schüler und ihre Lehrer haben offenbar nicht nur mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen blassen Schimmer von den physikalischen Grundbegriffen des Klimas - sie haben nicht mal ihre eigene politisch-ideologische Vorgehensweise verstanden. Dafür nehmen sie jetzt klimaschädlich an Deck im Fettnäpfchen Platz. Sie sollten die Aussicht trotzdem genießen und am nächsten Freitag lieber noch etwas büffeln: Wahlweise politische Strategie oder Physik.

Sven von Storch

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