Es gehört zu den Eigenschaften deutscher Politik und Medien, die Schuld für das eigene Versagen nicht bei sich selber zu suchen. Darin gleicht die Corona-Krise allen vorherigen Krisen.
Nachdem es im Anschluss an das gescheiterte Impeachment-Verfahren ruhig geworden war an der heimischen, medialen Hassfront gegen US-Präsident Donald Trump und der Februar und die ersten zwei Märzwochen in relativer Ruhe verflossen, erwachten die Medien mit der Nachricht, dass Trump einen Einreisestopp für Europäer verhängte. Seitdem geht es Schlag auf Schlag.
Noch am vergangenen Freitag war Trump der Böse. Jetzt schloss Deutschland seine Grenzen und die EU plant selbst einen Einreisestopp zu verhängen – und sofort wird im Staatsfunk die eigene Lage gelobt und mit den Vereinigten Staaten verglichen, »die von einem fast handlungsunfähigen Präsidenten regiert werden«. Selten wurden die Realitäten absurder verdreht.
Ähnlich bei der Bekämpfung des Virus. Im Staatsfunk darf ein Virologe unwidersprochen bekennen: »Wenn Sie mich fragen würden, wo würden Sie die Pandemie gerne durchstehen? Natürlich in Deutschland, weil wir auch führend sind, was die Impfstoffentwicklung angeht.« – Dumm, dass der Mann zuvor testen muss, ob er überhaupt infiziert ist. Denn Tests werden in Deutschland nur sehr eingeschränkt durchgeführt.
Und wer ist Schuld? - Richtig, Präsident Trump. Denn er versucht, sich deutsche Unternehmen unter den Nagel zu reißen – so die in den Mainstream-Medien kolportierte Mär. Dass das Unternehmen, um das es geht, die CureVac, seit Jahren überwiegend mit amerikanischem Geld finanziert wird, merken weder der Virologe, noch Welt, noch der Spiegel an.
Im Gegenteil: Sie stellen die US-Regierung als räuberische Bande dar, die deutsche Forschungsergebnisse exklusiv für sich ausnutzen wolle. »Nie zuvor«, kreischt die Welt, »ist es inmitten einer Pandemie gelungen, den Übeltäter so schnell zu entlarven und zu entschlüsseln.« Gemeint ist, wie könnte es anders sein, Präsident Trump. Er hat sich an der Völkergemeinschaft, diesem schalen Ersatzstoff für die Gemeinschaft, die Deutschland fehlt, vergangen. Einen Beweis für die Behauptung liefert das Blatt allerdings nicht.
Auf den Sündenbock zeigen, so nennt man dieses Verhalten. Ablenkung von eigener Unfähigkeit und eignem Versagen. Gerade in Deutschland hat das eine böse Geschichte. In der Gegenwart zeigen Regierung und Mainstream-Medien mit ausgestrecktem Finger alle auf Präsident Trump und die Vereinigten Staaten. Bilder von Geisterstädten machen die Runde.
Dass Geisterstädte die Folge von dem, was Kanzlerin Merkel eine Einschränkung der sozialen Kontakte nennt, sind, kommt den Qualitätsmedien wohl nicht in den Sinn. Sie suchen nach Schreckensbilder von draußen. Dabei ist es die Langsamkeit der deutschen Entscheidungsträger, die einem den Schrecken in die Glieder treiben sollte. Nicht eine ihrer Aktionen kann man rechtzeitig nennen. Mit praktisch allem lagen sie Tage und teilweise Wochen hinter den anderen Ländern, ganz zuerst den USA.
Aber Trump ist an allem Schuld. Dieser Reflex, die Schuld bei andren zu suchen, arbeitet weiter. Er ist primitiv und ein Zeichen für Dummheit. Und er passt zur Regierung, dem Staatsfunk und den Mainstream-Medien dieses Landes.


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