In Sonntagsreden schwärmen Politiker von deutscher oder europäischer Digitalisierung. Doch am Montag nutzen sie Google auf einem Android, um ihre Reden zu verbreiten. Das ist bei Cloud-Technologien nicht anders. Amerikaner beherrschen den Markt, die Chinesen drängen schon nach.
»Auf dem Markt fehlen«, sagt der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Karl-Heinz Streibich, der FAZ, »deutsche und europäische Anbieter.« Er warnt: »Wir sind abhängig von den USA und China.«
Seit einiger Zeit geht daher eine Sorge um in Deutschland. »Gegenseitige Abhängigkeiten sind akzeptabel, einseitige Abhängigkeiten aber müssen unbedingt vermieden werden«, betont auch der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg in der FAZ. Endlich hat auch die deutsche Politik die Gefahren erkannt. Im Ernstfall könnten die in den USA oder China gespeicherten Daten nicht mehr zugänglich sein.
Doch für eine Umkehr der Entwicklung ist es zu spät. Zum einen sind die Fachleute lange weg. IT-Spezialisten verlassen Deutschland, wenn sie die Möglichkeit haben. Und nach wiederholten Einschränkungen der Informatikausbildung in den letzten zwei Jahrzehnten, generiert Deutschland zu wenig und bestenfalls ausreichenden Nachwuchs.
Überdies sind USA und China knallharte Konkurrenten. Dort zählen in Kerntechnologien Leistung statt Quoten und Anti-Diskriminierungsunsinn. Keine überbordende Bürokratie nimmt innovative Unternehmen an die Kandare. Und gerade im Bereich Cloud-Computing sind die Datenschutzrichtlinien Europas ein Hemmschuh.
Die EU-Behörden, gewohnt unbotmäßige Länder und Unternehmen zu gängeln, stoßen bei den amerikanischen Technologieriesen an ihre Grenzen. Nur reicht es auch nicht, Konkurrenzprodukte zu schaffen. Noch nie haben Bürokraten für Innovationen gesorgt - daran wird, soviel ist sicher, der Tellerwäscher aus Merkels Küchenkabinett, Wirtschaftsminister Altmaier, ganz sicher nichts ändern.
Wenn Altmaier fordert: »Wir müssen Angebote machen für Unternehmen, die ihre Daten sicher und verlässlich speichern wollen, mit einem hohen Niveau an Datenschutz für alle Beteiligten«, dann ist das technische Nachsehn programmiert. Die CDU-Digitalpolitikerin Nadine Schön warnt denn auch schon, eine europäische Cloud sei »überambitioniert«.
Das ist nett formuliert. Altmaiers Vision einer Art »KI-Airbus«, bei dem die Daten in anonymisierter Form genutzt werden, selbstlernende Algorithmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu trainieren, nennt man ganz ohne Denglisch in gutem Deutsch wolkig oder auch Träume aus einem Wolkenkuckkucksheim.


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