Nach den schweren Unruhen in Stuttgart ist die Suche nach den verantwortlichen Tätern im Gange. Daran beteiligt sich nun auch der Tübinger Bürgermeister Boris Palmer. Nachdem die ›Stuttgarter Nachrichten‹ die Partyszene der Stadt als Schuldigen ausgemacht hat, sah sich der streitbare Grüne genötigt, in einem Eintrag bei Facebook zu beschreiben, wer in der Nacht in Stuttgart unterwegs war.
Ausgehend von einem Foto in den ›Stuttgarter Nachrichten‹ kommt Palmer zu dem Ergebnis, dass die als »Partyszene« bezeichnete Gruppe, »einige Besonderheiten« aufweise. »Maske trägt so gut wie niemand. Mindestabstand ist selten. Frauen kann ich allenfalls als Minderheit unter 10% vermuten.«
Nach dieser ausschließenden Beschreibung nennt der Grüne Eigenschaften der zu erkennenden Personen: »Alle anderen sind junge Männer. Von diesen wiederum haben nahezu alle ein Aussehen, das man im Polizeibericht als ›dunkelhäutig‹ oder ›südländisch‹ beschreiben würde. ›weiße Männer‹ kann ich kaum entdecken. In den Videos der Krawallnacht haben fast alle Täter ein ähnliches Erscheinungsbild wie die meisten Männer auf diesem Foto.«
Kein Mann der AfD dürfte einen solchen Eintrag bei Facebook hinterlassen, ohne nicht einen Sturm der Entrüstung auszulösen. Doch Palmer darf das. Und er macht es auch. Vielleicht, weil er sich anschließend fragt: »Rassismus?«
Palmer meint deutlich, doch ohne es zu sagen: Nein! Für ihn ist das südländische Aussehen der Täter »ein Grund, genauer hinzuschauen und sich zu fragen, wieso sich nach der Drogenkontrolle eines Jungen mit migrationshintergrund [sic!] plötzlich derart viele Menschen gegen die Polizei zusammenschließen? Ist das überhaupt erklärbar ohne zu Grunde liegende Ablehnung der Polizei und das Gefühl, gemeinsam gegen diese Aufbegehren zu müssen und damit im Recht zu sein?«
»Ich halte das für schwer vorstellbar«, lautet seine Antwort auf seine rhetorischen Fragen. Palmer will also ausdrücklich nicht nach dem Aussehen fragen, sondern nach den Gründen für das Verhalten der Plünderer. In dieser Hinsicht bleibt er ein soziologisch, psychologisch argumentierender Grüner. Von Verantwortung für sein Tun will der Bürgermeister nichts wissen.
Aber Palmer wäre nicht Palmer, würde er am Ende nicht doch noch etwas mehr offen lassen, als es Grüne sonst tun. »Wir würden gut daran tun«, ergänzt der umstrittene Bürgermeister der Grünen, »die Ursachen dieser Gewalt genau zu untersuchen und dabei unbequeme Erkenntnisse nicht auszuklammern.« Doch genau hier endet Eintrag bei Facebook, wenn man von einem Postskriptum absieht, von dem man nicht weiß, ob es an seine Parteifreunde oder seine politischen Gegner adressiert ist.


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